Peter Altenberg (1859-1919) 
Schriftsteller und Lebenskünstler mit bürgerlichem Namen Richard
Engländer (das Pseudonym Altenberg lieh er vom gleichnamigen Ort an
der Donau).
Peter Altenberg wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmannes am 9. März
1859 in Wien geboren. Umsonst versuchte er sich als Jus-, später als
Medizinstudent, aber nach dem Scheitern des Studiums, sowie einer begonnenen
Buchhändlerlehre attestierte ihm ein Arzt "Überempfindlichkeit
des Nervensystems" und letztlich "Berufsunfähigkeit".
Jedenfalls wurde seine Liebe zur französischen Literatur, u. a. zu
Victor Hugo durch seine gehobene Erziehung geweckt.
Charles Baudelaire wurde aber das große Vorbild Altenbergs: im Stile
dieses französischen Dichters begann er ein Bohemeleben zu führen.
Er hatte keine geregelte Beschäftigung und lebte in Hotelzimmern:
Bald wurde er ein stadtbekanntes Original, eine exzentrische Erscheinung,
der "Narr von Wien". Den ganzen Tag verbrachte er dann größtenteils
in Kaffeehäusern ("Hauptquartier" war das Café Central,
oder das Café Griensteidl), die Nächte hingegen in Vergnügungsetablissements
(Ronacher, Moulin Rouge).
Obwohl er sich selbst als "Invalide des Lebens", "unbürgerlichster
Mensch", "Schnorrer" charakterisierte, wurde er eigentlich
als einen der wichtigsten Autoren des "Jungen Wien" betrachtet. "Sind
meine kleinen Sachen Dichtungen?! Keineswegs. Es sind Extrakte!" schrieb
er einmal. Und: "Ich erfinde nichts, daher bin ich kein Schriftsteller
und kein Dichter. Das Leben trägt mir alles zu, und ich habe nichts
dabei zu verrichten, als das Zugetragene nicht zu verfälschen ..."
Meistens war Altenberg Verfasser kurzer Prosaskizzen (Darstellungen von
Sinneseindrücken), "Extrakte des Lebens" nannte er sie,
die er dort fard, wo er sich zu Hause fühlte: in den Cafes des Jung-Wiener
Kreises um Arthur Schnitzler, in den Kabaretts des Jugendstils, in den
Varietes der Vorstädte und am Semmering. Beeinflußt wurde Altenberg
durch Baudelaire, das französische Prosagedicht, das Wiener Feuilleton,
und durch Arno Holz. Möglich wurde diese Form der Literatur überhaupt
erst durch den Impressionismus und den sich daraus entwickelnden Pointillismus
der französischen Maler. Die Vorliebe zur Natur wurde schließlich
erweitert um das Interesse an Exotik und Naturvölkern. So lernte Altenberg
in Wien die Kultur der Aschantineger durch ein einjährige Ausstellung
kennen. In der Folge entstanden die Prosaskizzen mit dem Titel Ashantee
(1897). Andere bedeutende Sammlungen von Prosaskizzen sind Wie ich es sehe
(1896), Was der Tag mir zuträgt (1900), Prodromos (1905), Märchen
des Lebens (1908), Bilderbögen des kleinen Lebens (1909), Neues Altes
(1911) und Vita ipsa (1918).
Alkoholismus, Schlafmittelmißbrauch und Einweisungen in Nervenheilanstalten
waren die Stationen seines weiteren Lebensweges, der am 8. Januar 1919
endete.
Franz Kafka urteilte über den Verfasser impressionistischer Kleinprosa: " Peter
Altenberg ist ein Genie der Nichtigkeiten, ein seltsamer Idealist, der
die Schönheiten der Welt wie Zigarettenstummel in den Aschenbechern
der Kaffeehäuser findet."
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