Douglas Adams
Mediation1 und Fiktion
» Die Moderne geht aus der gemeinsamen Schöpfung aller drei - Menschen,
andere Wesen, gesperrter Gott - hervor, sodann aus der Kaschierung dieser gemeinsamen
Geburt und ihrer getrennten Behandlung.« (Bruno Latour)
» Es ist kein Geheimnis, daß die Götter schlimme Zeiten durchmachen
müssen« (Douglas Adams)
Können durch die Betrachtungen einer Gesellschaft, einer Kultur, die darin
bestimmenden Medien charakterisiert werden? Mit Blick auf die Geschichte der
Science Fiction könnte man sich zu einem uneingeschränkten 'JA' hinreißen
lassen. Liest man in heutigen Tagen etwa die verne'schen 'voyages extraordinair',
kann man hinter der Figur seiner Imagination sehr deutlich den Grund ihres
Entstehens erkennen. »Verne hat sich keinen prophetischen Aufschwüngen
hingegeben, er hat vielmehr Rechenaufgaben gelöst. Er hat die Monumentalisierung
der Metropolen [...gesehen], aber nicht die Verkleinerung der Maschinen, ihre
arbeitsvernichtende Wirkung [...], da diese Prozesse in der Technologie des
neunzehnten Jahrhunderts noch nicht enthalten waren.« (Federmair 1996:239)
So die Rezeption hundert Jahre nach Entstehung der Fiktionen.
Doch nochmals einen Schritt zurück. Medien beeinflussen, wie wir die Welt
wahrnehmen, also auch wie wir die von uns wahrgenommene Welt weitergeben.
Erfinde ich eine Welt und vermittle diese, beeinflusst das vermittelnde Medium
die Wahrnehmung meines Gegenübers. Henk Claasen reduzierte Kommunikation
auf einen Spiegelungsprozeß und schreibt: »Wir spiegeln uns und
zeigen dem Gegenüber nicht mehr uns, wozu der Mensch nie in der Lage gewesen
ist, sondern unser Spiegelbild. Wir spiegeln uns in der Hoffnung, das Gespiegelte
sei annehmbarer als wir Selbst.« (Claasen 1999) Wäre das Gespiegelte
nicht annehmbarer als wir Selbst, würde nichts bleiben, was noch die Bezeichnung
Selbst bekommen könnte.
Demnach gibt es eine für Fiktionen und Medien gemeinsame Aufgabe: etwas
darstellbar zu machen. Die Vermischung der Medien und der Fiktionen führt
bei eingehender Betrachtung zu Schwindelgefühlen, vergleichbar den Effekten
in Spiegelkabinetten. Wenn Fiktionen von Medien berichten, berichten Medien
von Fiktionen, die von Medien berichten,.... In dem Maße, in dem die
künstlich vermittelte Wahrnehmung die natürliche Wahrnehmung ersetzt,
erscheint Manchem selbst »[d]as Kino [...] überzeugend genug, uns
glauben zu machen, daß der Android am Nachbartisch Realität ist.
Das ist zwar noch nicht der Fall, aber ich habe bereits das Gefühl, in
dieser Welt zu leben.« (Baginsky in: Reck 1998:250) Scheinbar wird McLuhans
Botschaft vom Medium als Botschaft hier ausgetauscht durch die Fiktion als
Botschaft. Eine Vermischung in der Form, daß die Empfänger von Informationen
nach einem gewissen Grad von Wiederholung 'das Gefühl' haben, diese seien
real. Eine Form des Cyberspace, die in den Köpfen generiert wird und sich
zur Zeit noch im Wesentlichen durch die Illusionsmaschine 'Film' nährt.
Das 'Dazwischenliegende' liegt also prinzipiell immer zwischen zwei 'Welten';
zwischen dem Ding und dem Abbild das beim Betrachten desselben entsteht; zwischen
der Welt und meiner Welt. Medien liegen auch zwischen einer unsichtbaren Welt
und meiner Vorstellung davon. Versuche ich meinem Gegenüber von dieser
Idee zu erzählen, bedarf es zumindest eines Mediums. »Das Totenreich
ist eben so groß wie die Speicher- und Sendemöglichkeiten einer
Kultur.« (Kittler 1986:24) Das Totenreich gehört wahrscheinlich
zu den ersten umfassenderen Fiktionsräumen, die sich der Mensch erdachte.
Medien liegen zwischen den Ideen der Menschen und befähigen sie, sich
auch über das beunruhigende Unsichtbare auszutauschen. Dabei entfernt
sich der Mensch zunehmend von den Dingen.
Beispielsweise kann man sagen, daß die Idee eines Donnergottes auf den
Donner zurückgeht, während Thor2 ein ganz bestimmter Donnergott und
darüber hinaus noch Sohn Odins ist, für seine Heldentaten bekannt
und einen Hammer besitzt. So ist unsere »Wirklichkeit [...] mit Informationen
[angefüllt], die ihren Gegenstand vergessen haben, mit Zitaten, deren
Ursprung niemand mehr feststellen kann.« (Grassmuck 1988:17) Eine Unterscheidung
von Informationen, die reiner Fiktion oder einer realen Vorlage entspringen,
ist »in der Ortlosigkeit der Sprache« (Foucault 1966:19) unbedeutend
und ohnehin allen Medien fremd. Hingegen könnte der Umstand, daß Thor
einen Hammer mit sich führt, den Germanen eine grundsätzlich veränderte
Haltung gegenüber den real-existierenden Hämmern beschert haben.
Dies hinge jedoch davon ab, in welcher Weise sich die Dinge für die Germanen
geordnet haben - Werkzeuge die den Göttern gehören, »in diese
Gruppierung gehörige, [...] die den Wasserkrug zerbrochen haben« (vgl.
Foucault 1966:17).
Der Babelfisch
Die Unterscheidung der Welt in Dinge und Undinge läßt an die Unterscheidung
zwischen Leib und Seele, zwischen Körper und Geist denken; Hardware3 und
Software scheinen sich als die Pole der Welt etabliert zu haben - doch wie
sieht es zwischen den Polen aus? Gibt es eine 'Verständigung' zwischen
beiden oder kann es nichts Vermittelndes geben? Descartes dachte sich die Zirbeldrüse
als Übersetzer4 der geistigen Kräfte in Säfte und Säfte
in geistige Kräfte.
Sozusagen eine 'Wetware' als Medium zwischen Hard- und Software. Diese Fragen
stellen sich in der Kybernetik wieder. Wie werden Informationen in Aktionen
umgesetzt, wie hängen steuernder Geist und gesteuerter Körper zusammen?
Diese Frage stellt sich so ähnlich auch, wenn sich Science Fiction Autoren
nicht vor dem Verständigungs-Problem drücken: was passiert bei einer
Begegnung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen? Wie können
sich diese Verständigen?5 Eine der menschlichen Vermittlungsformen ist
die Sprache und gesprochen wird in allen mir bekannten Welten der Science Fiction.
Computer, Roboter, Astronauten, Bodenstationen, Raumschiffe, Türen, Aufzüge
und Außerirdische nutzen die Sprache zur Verständigung. Alles im
All scheint zu sprechen. Die Frage, ob und wie sich auch alle verstehen wird
unterschiedlich beantwortet, bzw. gelöst. Stanislaw Lems Idee knüpft
mehr oder minder an die cartesianische Idee an: »eine informativ-translative
Tablette« wird Ijon Tichy auf seiner 'Achten Reise' der "Sterntagebücher" gereicht. »Sogleich
verwandelten sich die klirrenden Laute ringsum in verständliche Worte
und das Rechteck aus Aluminiumkegeln am Ende des Plüschteppichs in eine
halbe Ehrenkompanie. Der zu meiner Begrüßung erschienene Terrakaner,
der mich bis dahin an einen sehr großen Striezel erinnert hatte, kam
mir auf einmal wie ein alter Bekannter mit einem völlig durchschnittlichen Äußeren
vor.« (Lem 1971:33) Unter dem Aspekt Drogen als Medien der Wahrnehmung
könnte dies ein vielversprechendes Beispiel sein.
Meist wird jedoch über interstellar-linguale Verständigungsprobleme
großzügig hinweggesehen; eine Untersuchung über den Zusammenhang
zwischen der Dominanz amerikanischer Science Fiction und der Ignoranz (im engsten
Wortsinne) in diesem Genre gegenüber Sprachproblemen zwischen den Kulturen,
gibt es meines Wissens nicht. Stanislaw Lem geht in seinen Geschichten über
das Sprachproblem hinaus und stellt die gesamte Wirklichkeitswahrnehmung in
Frage. Dagegen ähnelt Douglas Adams Vorgehen viel eher den Gepflogenheiten
der Science Fiction: die Wesen mögen für den Helden noch so fremdartig
sein, die Sprachverständigung ist problemlos möglich. Adams bleibt
dem Leser die Erklärung allerdings nicht schuldig. In "Per Anhalter
durch die Galaxis" ist es keine Tablette, wie bei Lem, sondern ein Fisch
den sich der Mensch ins Ohr stecken muß:
»Der Babelfisch [...] ist klein, gelb und blutegelartig und wahrscheinlich
das Eigentümlichste, was es im ganzen Universum gibt. Er lebt von Gehirnströmen,
die er nicht seinem jeweiligen Wirt, sondern seiner Umgebung entzieht. Er nimmt
alle unbewußten Denkfrequenzen dieser Gehirnströme auf und ernährt
sich von ihnen. Dann scheidet er ins Gehirn seines Wirtes eine telepatische Matrix
aus, die sich aus den bewußten Denkfrequenzen und Nervensignalen der Sprachzentren
des Gehirns zusammensetzt. Der praktische Nutzeffekt der Sache ist, daß man
mit einem Babelfisch im Ohr augenblicklich alles versteht, was einem in irgendeiner
Sprache gesagt wird. Die Sprachmuster, die man hört, werden durch die Gehirnstrommatrix
entschlüsselt, die einem der Babelfisch ins Gehirn eingegeben hat.« (Adams
1979:60)
Der Babelfisch existiert, ohne nochmals Erwähnung6 zu finden, in allen
weiteren Büchern der 'Anhalter-Reihe' weiter. Betrachtet man den Babelfisch
unter dem Gesichtspunkt, welches Wesen mit wem was macht, stellt sich heraus,
daß die vordergründigste Tatsache lautet: der Mensch transportiert
den Fisch. Somit wäre nicht der Fisch ein Medium des Menschen, sondern
umgekehrt der Mensch ein (Transport)Medium des Fisches. Da der Fisch die Kontrolle über
die Wahrnehmung des Menschen bekommt, wird der Wirt (der Mensch) zur Erweiterung
des Körpers des Fisches. Diese Lesart, die Adams nicht nahelegt, erinnert
an Science Fiction Szenarien in denen Aliens die Körper der Menschen übernehmen,
mit dem Ziel die Erde zu erobern7. Statt dessen legt Adams eine friedliche
Koexistenz der beiden Wesen nahe. Das Fremde im eigenen Körper erinnert
mehr an einen Herzschrittmacher, der dem Menschen hilft und ihn jedoch nicht
kontrollieren will. Die Wahrnehmung des Wirtes betreffend kann der Babelfisch
sehr wohl als Medium bezeichnet werden. Bei einer Untersuchung eines Einzelmediums
stellt sich immer auch die Frage danach, was dieses Medium verbessert, bzw.
welches andere Medium es ablöst. Betrachtet man nun den Babelfisch als
ein Medium der Kommunikation, ist man dazu geneigt diesen Fisch als eine Verbesserung
der Sprache selbst anzusehen. Anlaß innerhalb der adamschen Geschichte,
den Babelfisch ins Geschehen einzuführen, war die Rede eines Außerirdischen,
die sich für Arthur Dent so anhörte: »Heul heul gurgel heul
[...] schlürrf aaaarchch [...]« (Adams 1979:59) Nachdem er sich
den Fisch ins Ohr gesteckt hat, versteht er jedes Wort. Der obigen Beschreibung
zufolge scheint er der cartesianischen Zirbeldrüse zu ähneln, denn
er wandelt die Geistestätigkeit in eine für den Wirtskörper
verständliche Form um, ohne dabei selbst Geistestätigkeit aufzubringen.
Adams spricht von den Gehirnströmen aus der Umgebung des Wirtes. Diese
Idee greift er in seinem jüngsten Buch wieder auf. In "Raumschiff
Titanic" leistet die Übersetzung dann kein Fisch, sondern die Robotik
des Schiffes:
»[a]lle robotischen Funktionen auf diesem Schiff sind mit Infraviolett-Dolmetschsensoren
ausgestattet, die die Hirnimpulse der Passagiere automatisch nach Sprachgebrauch
abtasten. Diese Muster werden dann in [...den Köpfen der Romanfiguren] umgewandelt,
so daß sie alles verstehen und sich verständlich machen können,
solange sie an Bord sind. « (Adams 1997:69)
Da beide Beschreibungen unter naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten schlichtweg
als Nonsens bezeichnet werden müssen, liegt der interessante Gedanke auf
einer anderen Ebene. Beide, Babelfisch und robotischer Übersetzer, übersetzen
die Sprache nicht, da sie die Sprache selbst nicht verstehen, nicht einmal
als solche wahrnehmen. Es sind lediglich Ströme, die sich, wie auch immer,
in ihrer Struktur von anderen Strömen unterscheiden sollen. Diesem Kommunikationsprinzip
liegt der feste Glaube an universellen Code zugrunde, bei dem sich Sprachen
lediglich in ihrem jeweiligen Format8 unterscheiden. Diesem Prinzip zufolge
ist die Umwandlung von Gehirnströmen in Luftschwingungen über den
Umweg eines Sprachzentrums lediglich eine antiquierte Kommunikationsform9 der
Organismen.
Der Mensch ist im adamschen Universum ebenso updatefähig wie alle andere
Hardware auch. Versteht er etwas nicht, baut er sich ein Sprachmodul namens
Babelfisch ein. Ob all dieser Übersetzungswerkzeuge oder -wesen wäre
bei Adams nur noch eine Aussage zulässig: Kommunikation verkommt zu einer
rein physikalischen Angelegenheit. Eine konvertierbare Größe, meßbar
in Frequenzen und Impulsen. Es sind die Medien, die erst den Sinn der Sinneseindrücke
an den Menschen weitergeben, ohne ihn jedoch zu verstehen. Die Absurdität
wird noch dadurch gesteigert, daß es ein Tier ist, das problemlos alle
Sprachen übersetzten kann. Adams schlägt damit den Bogen von der
ersten bedrohlichen Natur zur (vorgeblich) nützlichen, selbstgeschaffenen
zweiten Natur. Die Vorstellung von natürlich-gewachsenen Dingen, die sich
plötzlich als ebenso zweckdienlich und unbedrohlich herausstellen wie
die aufwendig konstruierten, entspringt keinem technischen Verständnis
der Welt, sondern einem Verständnis von der Welt als Warenhaus10. Erst
die Vorstellung, daß es etwas gibt, was es nicht gibt, löst Unbehagen
aus. Der Babelfisch ist die Verkörperung aller Werbeversprechen: vollkommene
Abdeckung der Kundenwünsche.
Sind die ersten Bücher noch stark von Adams Geistesverwandtschaft zu der
Komikertruppe Monty Python geprägt, ist in seinem jüngsten Buch der
Wille, die Warenwelt der Unterhaltungselektronik zu extrapolieren, klarer erkennbar.
Dies macht sich auch bei der Thematik Kommunikation bemerkbar. Nicht nur die
Frage, wie sich außerirdische Roboter und irdische Twens verständigen,
sondern auch die Frage, wie ein britischer Autor über die Kultur eines
fernen Planeten schreiben kann. So wird die Geschichte des Buches "Raumschiff
Titanic" schon nach zwei Absätzen angehalten um nochmals von vorne
zu beginnen. Diese beiden Ansätze sind ebenfalls im Erzählverlauf
immer wieder von Satzeinschüben unterbrochen, im Stile von:
»Er gebrauchte nicht genau das Wort 'verdammt', weil es das im Blerontinischen
nicht gab. Das Wort das er benutzte, könnte wörtlicher übersetzt
werden mit 'etwa so groß wie das linke Ohrläppchen', aber die Bedeutung
kam 'verdammt' viel näher« (Adams 1997:7)
Hier haben wir also das Problem der Kommunikation: Bedeutung. Ein Problem,
das das Übersetzungs-Tool der Internet-Suchmaschine Altavista 'Babelfisch',
benannt nach der adamschen Erfindung, noch nicht gelöst hat. Dieses übersetzt
Worte und nicht deren Bedeutung; Maschinencode kennt keine Bedeutung, sondern
nur Funktion. Dies unterscheidet Maschinensprache von Menschensprache: Maschinencode
ist bedeutungslos da die Maschine empfangene Signale entweder versteht oder
nicht, doch sie deutet sie nicht. Veranschaulichen läßt sich dies
an sprachfähigen Maschinen, denen jedoch die Fähigkeit zur Deutung
untersagt ist: Soldaten. Die ersten Erziehungsmaßnahmen die Rekruten über
sich ergehen lassen müssen, so erfahre ich in Peter Kriegs Film "Maschinenträume" (BRD
1988), machen das Individuum zum Befehlsempfänger. Diese Maßnahmen
zielen darauf ab, Kommunikation als bloßes Zeichengeben zu installieren;
der Empfänger soll gehorchen und nicht verstehen.
Das elektronische Buch11
» Der Anhalter ist endgültig. Die Wirklichkeit ist öfter ungenau.« Das
ist »der Kern der Mitteilung« (Adams 1980:39), die in der Empfangshalle
der 'Megadodo Verlagsgesellschaft' plakatiert ist. 'Anhalter' bezeichnet den
elektronischen Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" der
von diesem Verlag12 herausgegeben wird. Adams illustriert dieses Firmenmotto
mit einer Geschichte in "Das Restaurant am Ende des Universums". In
dieser Geschichte werden die Herausgeber des 'Anhalters' angeklagt, da der Fehler
in einem Artikel13 des Buches zum Tod mehrerer Reisender geführt hatte.
Zu ihrer Verteidigung luden die Herausgeber »einen autorisierten Dichter
vor, der unter Eid aussagte, daß Schönheit gleich Wahrheit und Wahrheit
gleich Schönheit sei, und hofften damit zu beweisen, daß die schuldige
Seite in diesem Fall das Leben selber sei, weil es versäume entweder wahr
oder schön zu sein« (Adams 1980:39). Der Angeklagte (das Abbildende/der
Sender) wird vom Kläger (der Empfänger) beschuldigt, seinen Pflichten
(Abbilden/Senden) nicht entsprechend nachgekommen zu sein.
Im ersten Buch der 'Anhalter-Reihe' wird Ford Prefect, eine der Hauptfiguren
der Romane, als Feldforscher für den Reiseführer vorgestellt. In
dieser Funktion kam er (per Anhalter) auf die Erde. Die Feldforscher (und somit
der Reiseführer) erwerben ihre Informationen sozusagen auf journalistische
Weise. Der Informationsbestand des Reiseführers wird »über
das Sub-Etha-Netz auf den neuesten Stand gebracht«(Adams 1984:107), technisch
gesehen auf demselben Weg auf dem die Informationen auch empfangen14 werden,
beides mittels eines kleinen Apparates15. Dieser besitzt einen »zehn
mal zehn Zentimeter großen Bildschirm« (Adams 1979:30), auf dem
Text angezeigt wird. Zudem werden die Informationen noch mit »ruhiger
und gemessener Stimme« gesprochen16. »Es sagt einem alles, was
man wissen muß. Dazu ist es da.« (Adams 1979:54f) Damit das Buch
dies kann, muß also alles bereits eingegeben worden sein.
Dabei läßt Adams das Raumproblem außer Acht. »Das Universum
ist«, so schreibt Adams »[...] verwirrend groß, was um eines
friedlichen und stillen Lebens willen die meisten Leute gern ignorieren« (Adams
1980:66) Verfolgt man einmal die Wege, die die Informationen bei diesem Modell
gehen müssen, kommt man zu dem Schluß, daß Adams eine Übertragungsform
für Informationen voraussetzt, die die Lichtgeschwindigkeit weit hinter
sich läßt. Denn die Informationen werden quer durch das Universum
auf dem Sub-Etha-Netz gesendet. Die Bezeichnung 'Sub-Etha' erinnert nicht nur
dem Klang nach an den Begriff "Äther", über den sich bis
188117 die elektromagnetischen Wellen fortbewegten. Neben dem Sub-Etha-Netz
treten noch die "Wellenbereiche des Sub-Etha-Radios" in der adamschen
Fiktion auf. Ohne hier tatsächlich physikalische Überlegungen anstellen
zu wollen, liegt ein Gedanke auf der Hand: 'Sub-Etha' ignoriert einer friedlichen
Fiktion willen diese Probleme. Der Begriff und was er erklären soll legt
nahe, daß eine Information im Moment ihres Entstehens an einen anderen
Punkt des Universums gesendet werden und dort auch im gleichen Moment noch
empfangen werden kann - oder: es gibt gar keine Übertragung und folglich
wäre der Reiseführer kein Medium der Übertragung.
Adams erwähnt, wenige Zeilen nach der Anekdote vor Gericht, ein »künstliches
vollelektronisches Universum« (Adams 1980:37) in einem Büro des
Verlagsgebäudes.
Dieses Universum unterscheide sich in keinem Punkt vom 'wirklichen'. So bereist
Zaphod Beeblebrox dieses künstliche Universum, bis sein Reisebegleiter
seine Aktentasche öffnet: »Er knipste darin an einem einzelnen Schalter.
'Adieu, künstliches Universum' sagte er, 'grüß dich, wirkliches!'
Die Szenerie vor ihnen flimmerte kurz auf - dann war sie genau wie vorher.« (Adams
1980:82) Die Herausgeber des Reisführers sind im Besitz eines exakten
Doubles des Universums - folglich sind sie im Besitz sämtlicher Informationen.
Diese Idee erscheint in der zweiten Version des Reiseführers, die Adams
im letzten Buch der 'Anhalter-Reihe' vorstellt, noch eindringlicher. Adams
beschreibt diesen zweiten Reiseführer als eine schwarze Scheibe, die nach
Aktivierung einen 'Vogel' im realen Raum erscheinen läßt. Dieser
Vogel ist eine holographische Erscheinung, mit der ihr Besitzer kommunizieren
kann. Da es nicht möglich sei, eine einzige Erscheinungsform des Reiseführer
für alle Wesen in allen Universen zu kreieren, muß sich das Erscheinungsbild
des Reiseführers zunächst auf die Wahrnehmungsfähigkeiten des
Benutzers kalibrieren. Menschen können wie die meisten Wesen, so der Reiseführer,
nicht alle Dimensionen ihres Universums wahrnehmen. »Das liegt an den
Filtern, durch die du wahrnimmst. Ich hingegen wurde ohne Filter gebaut [...].
Mir ist nichts unmöglich. Ich bin allwissend und allmächtig [...und]
ungeheuer eingebildet« (Adams 1992:209). Die Erklärung dieser Allwissenheit
könnte man eine physikalische nennen: »Genaugenommen bewege ich
mich in etwas, das man rein formal als Vollständige Ansammlung Sämtlichen
Allgemeinen Misch-Maschs bezeichnet« (Adams 1992:203) Beide Varianten
des Reiseführers, so unterschiedlich sie auch in ihrer gedanklichen Ausführung
sind, entspringen ein und derselben Vorstellung von 'Information'; entspringen
der Phantasie, daß Information immer schon vorhanden ist und lediglich
noch dargestellt werden muß. Die Aufgabe des Reiseführer reduziert
sich also aufs Darstellen.
Ein Medium der Darstellung, das selbst das Darzustellende auswählt. Zumindest
die zweite Version des Reiseführers spricht für sich selbst, wobei
nicht klar ist, ob dieses Selbst existiert oder nur simuliert wird. Doch was
wählt dann die Daten aus? In "Der elektrische Mönch" beschreibt
Richard (eine der Hauptfiguren des Romans) ein Erlebnis mit Worten: »Ich
muß immer wieder sagen, daß sie die Musik nicht erschaffen haben,
sie schufen nur das Instrument, das die Partitur lesen konnte. Und die Partitur
war das Leben selbst.« (Adams 1997:289) Diese Beschreibung könnte
eine gute Metapher für den Reiseführer abgeben, wenn nicht Adams
selbst, durch die Beschreibung des Ortes dieses 'Instruments' widersprechen
würde. Richard hörte diese Musik in einem Raumschiff, das um die
Erde kreiste. "Vier Milliarden Jahre hatte es unaufhörlich von dem
Planeten unter sich Daten aufgenommen, genau geprüft, analysiert und verarbeitet.
[...] Alles verarbeitet, alles aufgezeichnet, alles transformiert." (Adams
1997:279) Was genau wie aufgezeichnet wurde, bleibt Adams dem Leser schuldig.
Fest steht, daß im Orbit dieses Planeten ein Doppel desselben besteht.
Und erst die Verdopplung macht die Partitur möglich. Würde sich die
Aussage auf das erste Zitat beschränken (wie das bei Reiseführer
II der Fall ist), wäre dies eine Art Perpetuum mobile. »Ähnlich
hatte auch Diderot die Natur das große Instrument genannt, das sich selbst
spielt, das wahre Perpetuum mobile.« (Bloch 1972:180) Bei Diderot war
der »der dringende Wille zur Erklärung der Welt ohne fremden Eingriff« (Bloch
1972:180) Vater des Gedankens an die Natur als Perpetuum mobile. Er befreite
sein mechanistisches Weltbild von der Frage nach der Existenz eines Schöpfers.
Descartes hatte nachgewiesen, daß sich natürliche Tiere nicht von
perfekt nachgebildeten Tieren unterscheiden würden.
Wahrscheinlich nicht nur um einem Konflikt mit der Kirche zu entkommen,
stellte der beseelte Mensch davon eine Ausnahme dar. Den Nachweis, daß der
Mensch ebenfalls nichts weiter als eine Maschine sei, führte Julien Offray
de La Mettrie in "L'homme machine" (1748 anonym erschienen) etwas
mehr als hundert Jahre später. Doch an der Ausnahmestellung des Menschen
in der Welt änderte sich wiederum nichts.
Spätestens seit Herbert Marshall McLuhan denkt sich der Mensch mit seinen
sensorischen Auswüchsen und seit Alan Turing können diese auch selbst
denken.
Den Menschen selbst als Maschine zu denken, beschränkt sich also nicht
mehr auf den biologischen Leib, sondern betrifft auch den erweiterten Körper.
Die menschlichen Erfindungen als die Ausweitung des menschlichen Körpers
zu betrachten, führt schließlich zu einer Neudefinition dessen,
was der Mensch als künstlich begreift. Während Diderot, seiner Zeit
entsprechend, die Welt mechanistisch erklärte, überträgt Douglas
Adams Prinzipien bisheriger Weltmodelle auf die Welt der Computer und folgt
darin Turing nach. Alle qualitativen Unterschiede zwischen dem Menschen und
seiner Schöpfung scheinen sich mit dem Computer aufzulösen.
Literatur
Adams 1979
Adams, Douglas: "Per Anhalter durch die Galaxis", München (Rogner&Bernhard)
1981; Originalausgabe 1979
Adams 1980
Adams, Douglas: "Das Restaurant am Ende des Universums", München
(Rogner&Bernhard) 1982; Originalausgabe 1980
Adams 1982
Adams, Douglas: "Das Leben das Universum und der ganze Rest", München
(Rogner&Bernhard)1983; Originalausgabe 1982
Adams 1984
Adams, Douglas: "Macht's gut und danke für den Fisch", München
(Rogner&Bernhard) 1985; Originalausgabe 1984
Adams 1987
Adams, Douglas: "Der elektrische Mönch", München (Rogner&Bernhard)
1988; Originalausgabe 1987
Adams 1987b
Adams, Douglas: "Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele", Berlin
(Ullstein) 1989; Originalausgabe 1987
Adams 1992
Adams, Douglas: "Einmal Rupert und zurück", München (Heyne)
1997; Originalausgabe 1992
Adams 1997
Adams, Douglas; Jones, Terry: "Raumschiff Titanic", München
(Goldmann) 1998; Originalausgabe 1997
Bloch 1972
Bloch, Ernst: "Das Materialismusproblem, seine Geschichte und Substanz",
Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1985; Originalausgabe 1972
Claasen 1999
Claasen, Henk: "Konfigurationen zwischen Absturz und Wirklichkeit",
in: Idensen, Heiko: "Konfigurationen. Zwischen Absturz und Wirklichkeit",
CD-ROM zu: Schade, Sigrid; Tholen, Georg Christoph: "Konfigurationen.
Zwischen Kunst und Medien", München (Fink) 1999;
Debray 1994
Debray, Régis: "Für eine Mediologie", in: Engell, Lorenz,
u.A.: "Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht
bis Baudrillard", Stuttgart 1999; Originaltext in: "Pour une médiologie.
Définitions premières", in: Manifestes médiologiques,
Paris 1994, S.21-33 (dt. Erstveröffentlichung von Ingrid Fischer-Schreiber)
1994
Federmair 1996
Federmair, Leopold: "Entzaubern - Verzaubern"; in: Felderer, Brigitte: "Wunschmaschine
Welterfindung. Eine Geschichte der Technikvision seit dem 18.
Jahrhundert.", Wien, New York (Springer) 1996
Foucault 1966
Foucault, Michel: "Die Ordnung der Dinge: eine Archäologie der Humanwissenschaften",
Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1974, 1999; Originalausgabe 1966
Grassmuck 1988
Grassmuck, Volker: "Vom Animismus zur Animation: Anmerkungen zur Künstlichen
Intelligenz", Hamburg (Junius) 1988
Kittler 1986
Kittler, Friedrich A.: "Grammophon, Film, Typewriter", Berlin 1986
Latour 1991
Latour, Bruno: "Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen
Anthropologie", Berlin (Akademie Verlag) 1995; Originalausgabe 1991
Lem 1971
Lem, Stanislaw: "Sterntagebücher", Frankfurt/Main 1973, 1978;
Originalausgabe 1971
Reck 1998
Reck, Hans Ulrich: "Sprache und Wahrnehmung an Schnittstellen zwischen
Menschen und Maschinen: Ein Gespräch zwischen Nicolas Anatol Baginsky,
Olaf Breidbach, Christian Hübler, Peter Gendolla und Hans Ulrich Reck",
in: Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland(Hrsg.): "Sinn
der Sinne", Bonn 1998; (Das Gespräch fand im Rahmen des Kongresses "Der
Sinn der Sinne" am 3 1.Januar 1997 in der Kunst- und Ausstellungshalle,
Bonn, statt. Es wurde von Hans Ulrich Reck konzipiert, moderiert und für
den Druck eingerichtet.)
WDR 2000
WDR-Kulturweltspiegel: "Zwischen Evolution und Simulation: Douglas Adams'
elektronischer Weltreiseführer", 7. Mai 2000, www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20000507/3.html
1 Mediation meint die Vermittlung, »also die dynamische Gesamtheit der
Prozeduren und Körper, die zwischen eine Produktion von Zeichen und einer
Produktion von Ereignissen geschaltet sind.« (Debray 1994:72)
2 »[D]er Gott des Donners. Der Gott des Regens. Der Gott der hochgetürmten
Wolken. Der Gott der Blitze. Der Gott der reißenden Ströme. Der
Gott der kleinen Teilchen. Der Gott der formenden und bindenden Kräfte.
Der Gott des Windes. Der Gott des wachsenden Getreides. Der Gott des Hammers
Mjollnir.« (Adams 1987b:131) Thor ist also der Gott des Volkes, ein Agrargott,
ein Gott der Arbeit, ein Gott den der moderne Mensch nicht mehr braucht. Körperliche
Arbeit wird, wo es geht, den Maschinen übertragen, das Wetter entnimmt
man dem Wetterbericht und die Dekodierung der menschlichen DNA ist bereits
abgeschlossen.
3Eine kleine Geschichte im fünften Band der adamschen 'Anhalter-Reihe'
setzt sich mit diesem Thema auseinander. Random, eine der Figuren des Romans,
ist noch nie auf der Erde gewesen und entdeckt Arthur Dents Uhr, die von der
Erde stammt:»Sie hielt die Anzeige ihrer Handgelenkleiste hoch, die automatisch
die Ortszeit einblendete. Ihre Handgelenksleiste hatte sich sofort nach Randoms
Ankunft auf dem Planeten still und heimlich drangemacht, die örtliche
Gravitation und den Umlauf-Impuls zu messen, festgestellt, wo die Sonne stand,
und deren Bewegung am Himmel verfolgt. Anschließend hatte sie der Umwelt
Hinweise auf die regionalen Gepflogenheiten im Umgang mit Maßeinheiten
entnommen und sich selbsttätig richtig eingestellt. Derartige Anpassungen
nahm die Leiste ständig vor, was besonders dann von unschätzbarem
Wert war, wenn man häufig sowohl durch den Raum als auch durch die Zeit
reiste. [... Arthur erklärt Random seine alte analoge Uhr, die sich selbsttätig
aufzieht und tickt.]
'Was ist das für ein Geräusch?'
'Sie tickt. Das ist der Mechanismus, der die Uhr antreibt. Das sogenannte Uhrwerk.
Es besteht aus allen möglichen ineinandergreifenden Zahnrädern und
Federn, die dafür sorgen, daß sich die Zeiger genau mit der richtigen
Geschwindigkeit bewegen, um die Stunden und Minuten und Tage und so weiter
anzuzeigen.'
Random starrte die Uhr erneut skeptisch an.
'Irgendwas scheint dir nicht einzuleuchten', sagte Arthur. 'Was?''Stimmt',
sagte Random schließlich. 'Warum ist das alles nur Hardware?'« (Adams
1987b:200)
4 Leibniz vertrat hingegen die Ansicht, daß es keinerlei Verbindung zwischen
Leib und Seele gäbe. Beide seien von Gott perfekt aufeinander abgestimmte
Uhrwerke. Diese, Determinismus genannte, Anschauung fügte sich perfekt
in das von Newton geschaffene Weltmodell.
5 Ein fatales Beispiel findet sich in Tim Burtons "Mars Attacks" (1998),
in dem die Kommunikationsunterschiede auf symbolischer Ebene zum Untergang
der Menschheit führen würden (die Friedenstaube wird von den Marsianern
als Angriff gewertet), wenn nicht auf physikalischer Kommunikationsebene zufällig
die Rettung gefunden würde (die Marsianer reagieren mit zerplatzenden
Hirnen auf texanische Country-music).
6 zwar schüttelt Arthur den Fisch im vierten Buch aus dem Ohr, doch außer
dieser Erwähnung wird der Fisch dabei nicht weiter beachtet.
7 Wie beispielsweise bei Don Siegels "Invasion of the Body Snatchers" (1956)
oder bei den 'Alien' Filmen.
8 Diesem Gedanke zufolge ließe sich beispielsweise Swahili ebenso einfach
in Oberbayrisch umwandeln, wie sich heute auf einem gebräuchlichen Personal
Computer eine WordPerfect Datei in eine Microsoft Word Datei konvertieren läßt.
Der Binärcode liegt allen Computerdaten zugrunde, so wie der adamschen
Sprachvorstellung allen Sprachen »Hirnimpulse« oder »Gehirnströme« zugrunde
liegen.
9 - effektiver erscheint da die Telepathie zu sein. In einer Geschichte illustriert
Adams allerdings die eventuellen Nachteile einer Gesellschaft, die sich per
Telepathie verständigt: Ford Prefect, eine Figur aus 'Per Anhalter durch
die Galaxis', fragt sich, weshalb die Menschen auf der Erde die offensichtlichsten
Dinge, wie "Schönes Wetter heute", in Worte fassen müssen.
So entwickelt er u.A. die Theorie: »Wenn die menschlichen Wesen nicht
andauernd ihre Lippen bewegen, fangen ihre Gehirne an zu arbeiten« (Adams
1980:141) Doch Adams korrigiert, daß diese Theorie auf eine andere Gesellschaft
als die menschliche zutreffender sei. Ein Volk, über das ein »Galaktisches
Tribunal die grausamste Volksseuche« als Strafe verhängt hatte:»die
Telepathie« (Adams 1980:141) Um zu verhindern, daß andere alle
Gedanken erfahren, findet dauerhafter verbaler Austausch statt. Diese Gesellschaft
erzeugt also künstlich Rauschen indem sie unentwegt redet.
10 weitere Beispiele finden sich in Form von Matratzen, »die in den Sümpfen
von Sqornshellous Zeta wachsen« (Adams 1979:54). Außerdem steht
geschrieben: »Vor kurzem wurde ein Wald entdeckt, in dem fast alle Bäume
Patentschraubenzieher als Früchte trugen.« (Adams 1982:53) siehe
auch das Kapitel: 'Das Rind'
11 Der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" im gleichnamigen
Roman und »ist sowas wie ein elektronisches Buch« (Adams 1979:54)
In allen fünf Bänden der Anhalter Reihe spielt es eine zentrale Rolle.
Es ist in die Handlung auf vielfache Weise eingebunden. Zum einen unterbricht
es teilweise den Fortlauf der Geschichte mit Erklärungen (die manchmal
Dinge erläutern und manchmal scheinbar unmotiviert Dinge des adamschen
Universums erklären). Im Hörspiel hatte das Buch eine eigene Stimme
und führte gewissermaßen im Off durch die Handlung.
Der Reiseführer ist lexikalisch strukturiert und erhebt den Anspruch auf
Vollständigkeit, wenn auch teilweise die Einträge sehr spärlich
ausfallen.
Beispielsweise besteht der Eintrag über die Erde lediglich aus einem einzigen
Wort: »Harmlos« (Adams 1979:63)
12 Die Aussagen sind allerdings unterschiedlich: so ist der 'Anhalter' in Band
I bei den »großen Verlagen von Ursa Minor«(Adams 1979:30)
erschienen. Meist scheint der entsprechende Verlag kein anderes Buch zu verlegen,
denn manchmal wird von der gesamten Unternehmung lediglich vom 'Anhalter' gesprochen.
13 »in dem stand: 'Gefräßige Plapperkäfer machen für
vorbeikommende Touristen oft ein sehr gutes Essen' statt: 'Gefräßige
Plapperkäfer machen aus vorbeikommenden Touristen oft ein sehr gutes Essen'« (Adams
1980:39)
14 Hier sind verschiedene Abzweigungen des Weiterdenkens möglich. Zum
einen verweist der hier illustrierte Gedanke auf Bertolt Brecht, der schon
1932 darauf verwies, daß die Sender/Empfänger Problematik lediglich
eine technische Frage sei. Zum Zweiten verweist diese Geschichte auf die aktuelle
Frage, wer für den Inhalt im World Wide Web verantwortlich sei.
Während ich über die vergangenen Taten Douglas Adams schreibe wird
in der aktuellen Presse über Adams neuestes Projekt berichtet: eine Schreiboberfläche
im Internet, betitelt mit dem Akronym des Anhalters: 'h2g2' (für Hitch
Hiker's Guide to the Galaxy). Ziel ist es für den Planeten Erde einen
Reiseführer zu entwerfen. Feldforscher sind in diesem Falle die Benutzer
des WWW selbst.
Verantwortlich für den Inhalt sind gewissermaßen die Nutzer, da
durch die Zahl der Abfragen eines Eintrags der Wert des Eintrags bestimmt wird.
Die Berichte darüber lesen sich dann so: »h2g2 das ist 'per Anhalter
durch die Galaxis' der Wirklichkeit. 'Wir glauben', sagt ihr Erfinder Douglas
Adams, 'dass praktisch jedermann ein Experte auf irgendeinem Gebiet ist, also
wenden wir uns auch an jedermann.'« (WDR 2000)
15 »Man hatte es in Form einer Mikro-Sub-Meson-Elektronik-Einheit herausgebracht,
denn wenn man es in normaler Buchform gedruckt hätte, wäre der interstellare
Anhalter gezwungen gewesen, mehrere unhandliche Lagerhallen mit sich rumzuschleppen.« (Adams
1979:30)
16 Im Fernsehfilm zeigte er außerdem noch Grafiken an.
17 als der Michelson-Morley-Versuch zeigte, daß die Geschwindigkeit des
Lichts von der Erde unabhängig ist. Dieses Experiment stellt den »Fundamentalversuch
für die Relativitätstheorie« (Max von Laue nach Fölsing
1993:246) dar.
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