Taraniel - Tír dorcha - Inseln in der Dunkelheit


Erstes Buch

Tír na mBan - Insel der Frauen

Wütend

Das Wasser aus der geborstenen Regenrinne über den Dach des Wartehäuschen schoss wie ein Sturzbach hervor. Die Erschütterung ließ die Luft vibrieren.Aus Sam´s Mund entwichen bei jedem Atemzug kleine, weiße Wölkchen.Es war sehr kalt für Anfang November.Ob den anderen Leute sich gegenseitig wärmten, wenn sie so dich gedrängt unter dem Schutz des Daches standen? Auch aus ihren Mündern stieg dampfender Nebel empor.
Ihr war kalt. Sie zitterte leicht, obwohl sie bemüht war, es zu unterdrücken. Um ihr herum bildeten die Leute eine berührungsfreie Zone.
Sonst dicht gedrängt, hielt man immer Abstand zu ihr.Eine ältere Frau flüchtig Sam´s nach oben gerichtete Hand, als sie, sich in die Masse hinein drängelnd, einen Platz erkämpft hatte. Sie war versucht eine Entschuldigung zu murmeln und Sam hatte eine nichtssagende Entgegnung auf den Lippen. Aber als ihr Blick auf die Hand fiel, zuckte sie zurück, als hätte sie sich verbrannt.Immer wieder rieb sie sich verstohlen ihre Hand.
Sam´s Augen füllten sich mit Wasser.Sie versuchte den Tränenschleier wegzublinzeln.
Alle schwiegen.
Nur der Regen veränderte, je nach Windrichtung, die Lautstärke und Tonhöhe des herabfallenden Wassers.
" Er kommt", sagte jemand aus der Menge."Der Bus kommt." Die menschliche Masse strömte zur Straße. Sam fiel schnell zurück. Mühsam, mit der Hand ihr linkes Bein unterstützend, bewegte sie sich ruckartig vorwärts. Der Bus hielt und öffnete die Türen.Sam hatte erst die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als der Großteil der Fahrgäste im Inneren des Busses verschwunden waren. Ihrem Gesicht war die Anstrengung anzusehen. Der Regen bildete langsam in ihrer unnatürlich nach oben gedrehten Hand ein Pfütze.
Sam war halbseitig spastisch gelähmt. Ihr linker Fuß war weit nach innen verdreht und stand fast im rechten Winkel zu dem anderen. Der rechte Arm war normal entwickelt. Am linken Arm wurden, da Sam ihn nicht benutzen konnte, nur wenige Muskeln gebildet und sah so sehr dünn und kindlich aus.
Die nach oben gerichtete, zu einem Hohlraum verkrümmte Handfläche, vermittelte einen bettelnden Eindruck.Ihr langes blondes Haar war nass und der Wind peitschte ihr die Strähnen übers Gesicht. Ihre mandelförmigen Augen ließen auf asiatische Vorfahren schließen, obwohl ihr nichts davon bekannt war.Ihr Vater sei ein normale kaukasischer Typ gewesen und sie hätte die braunen Augen eines Rehes, behauptete ihre Mutter.Sam erinnerte sich gerne an ihre Mutter. Sie war schon achtzehn Jahre alt, als die Erkrankung bei ihr diagnostiziert wurde. Das war in dem Jahr, als sie an ihrer Schule zum hübschsten Mädchen gewählt wurde. Plötzlich dann die Krankheit. Keine Partys mehr, auf denen sie der Stargast war, keine Jungs mehr, die hier hinterher pfiffen.Keine ihrer früheren Freundinnen lud sie zum Geburtstag ein. Die zwei restlichen Jahre auf der Schule waren die Hölle. Danach hatte sie Kunst studiert. Ihre rechte Körperhälfte sich normal entwickelt und Sam konnte ganz phantastisch zeichnen. Heute arbeitete sie in ihrer Wohnung als Illustratorin für Kinderbücher, in ihrem eigenen Apartment.Ihre Mutter konnte die Veränderungen von Sam´s Körper nicht ertragen, ihr ins Gesicht zu sehen, denn die linke Hälfte hatte sich durch die Lähmung zu einem gespenstischen, eingefrorenen Lachen verzerrt. Sie hatte in ihrer Tochter immer etwas besonderes gesehen, war stolz auf ihre Schönheit. Auch Sam war stolz gewesen. Sehr sogar.
Sie träumte oft von den Zärtlichkeiten ihrer Mutter. Gerne würde Sam sie wiedersehen.Einmal begegneten sie sich Supermarkt. Einen Moment schien sie zu erstarren und dann auf ihre Tochter zugehen zu wollen, aber die Hand an ihren Arm drückte und zog sie weiter. Der Mann, der mit ihrer Mutter zusammen lebte, war ein bekannter Immobilienmakler, der in solch einer Stieftochter einen Makel in ihrer Reputation sah. Ihren leiblichen Vater lernte Sam nie kennen, da er vor ihrer Geburt bei einem Autounfall starb.
Manchmal träumte sie auch von ihm. Weiß verschleierte Augenblicke, mit lieblicher Musik, so zart, dass es unmöglich war die Melodie zu erkennen, aber man war sie war sich sicher, das Lied schon einmal gehört zu haben.
In diesen Bildern konnte sie fliegen und sie lebte auf einer riesigen, unnatürlich grünen Wiese. Ihr Vater, ein großer, kräftiger Mann, winkte sie zu sich heran. Er trug eine gewaltige, schwarze Mähne, fast wie ein Löwe. Freundlich sprach er zu ihr, aber der Sinn seiner Worte blieb ihr verschlossen. Nur ein Fragment blieb immer zurück, wenn sie erwachte.
" ..eines Tages wirst du mich verstehen.."Oft kam der Traum gegen morgen und Sam lag dann wach bis sie aufstehen musste. Ihre Mutter reagierte allergisch auf Nachfragen bezüglich ihres Vaters. Mit den Jahren bezweifelte sie die Theorie von dem Autounfall und zog ihre Variante der ihrer Mutter vor. Sam vermutete Selbstmord.
Heute war sie auf dem Weg zum Arzt. Da sie Medikamente gegen Epilepsie nahm, durfte sie keine Auto fahren. Und da sie bei dem Regen kein Taxi bekam, hatte sie sich entschlossen mit dem Bus zu fahren.Der Busfahrer ließ den Motor ein paar Mal aufheulen. Alle Personen waren eingestiegen.
Nur Sam humpelte noch heran.Einen Meter entfernt, grinste der Busfahrer plötzlich, schloss die Türen, gab Vollgas und schoss davon.Die Hinterräder schlugen mit großer Wucht in die Pfütze ein, die sich unter den Bus in einem Loch am Rinnstein gebildet hatte.Sam wurde von oben bis unten mit schmutzigen, braunen Wasser überschüttet. Fassungslosigkeit zeigte sich auf ihrem verzerrten Gesicht, während ihr das Schmutzwasser in die Augen lief.Dann verwandelte sich der Ausdruck im Wut. Die rechte Hand ballte sich zur Faust.Ihre Linke zitterte vor Anstrengung.Die Muskeln des rechten Beines begannen zu zucken und gaben schließlich nach. Sie fiel auf die Knie, der Kopf nach oben gerichtet, und ein Schrei brach aus ihr hervor.
Sam brüllte.
Sie schrie vor Wut auf die Welt, vor Ohnmacht über ihr eigens Unvermögen, aus Ärger über Ihren verkrüppelten Körper, vor Verlangen nach einem lebenswerterem Leben.Irgendwann war nur noch nur ein Keuchen übrig war.Schwer amtend kniete sie im strömenden Regen, inzwischen völlig durchnässt.Doch der Schrei hatte ihre Wut nicht vermindert. Sie brannte in ihr weiter. Wie ein kleiner glühender Kern fühlte sie es in ihrem Brustkorb.Die Pfütze in ihrer linken Hand war nicht mehr klar, sondern schillerte in allen Farben dieser Welt.
Das Wasser rann aus ihrer Hand und damit verschwand der Regenbogen langsam. Ihre Finger hatten sich bewegt. Wärme strömte aus dem Inneren des Körpers in die Hand. Die Muskeln auf der Unterseite des Armes spielten kontrahierten hektisch und Sam bekam Angst. Wenn dies ein epileptischer Anfall würde, musste sie weg von der Pfütze. Ein neunjähriges Mädchen aus dem Nachbarhaus war letztes Jahr während eines Anfalles in der Badewanne ertrunken. Die Spannungen dehnten sich über den ganzen Körper aus. Mit aller Kraft warf sie sich in entgegen der Richtung des Rinnsteins. Ihr in der Lähmung gefangener Körper schüttelte sich unter dem Joch der Behinderung. Muskelstränge rebellierten unter der Haut und immer mehr Wärme strömte in den Unterarm.
Langsam, fast zögerlich bogen sich die Finger der linken Hand, erst zitternd der Zeigefinger und dann einer nach dem anderen, bis die Knöchel weis hervortraten.
Ihre gelähmte Hand ballte sich langsam zur Faust.

Verwundert

Sonnenlicht fiel durch die Gardinen und ließ Schatten auf Sam´s geschlossenen Lider tanzen. Ein Gefühl zwischen Vorfreude und Angst hielt sie zurück, die Augen zu öffnen.Die gelähmte Hand lag oben auf der Bettdecke. Sam hatte wie ein Stein geschlafen, als sie endlich zu Hause angekommen war. Wie lange sie nach einem Taxi gesucht hatte, wusste sie nicht mehr. Als sie ihre Wohnung erreicht hatte, wollte sei nur noch duschen und ins Bett. Ein großes Glas Maltwhiskey half ihr beim Einschlafen. Nun lag diese Hand auf dem Bettbezug. Sam traute sich immer noch nicht die Augen auf zu machen. Innerlich begann sie von fünf an rückwärts zu zählen und riss bei null die Augenlider hoch. Erleichtert und zugleich enttäuscht sah sie ihre braun gebrannte Hand in der für sie normalen, bettelnden Stellung auf der weißen Bettwäsche liegen. Sam schloss wieder ihre Augen und stellte sich vor ihre Finger zu krümmen.
Vorsichtig, erst den Daumen ein wenig, dann den Zeigefinger und fast gleichzeitig die restlichen Finger, bis der Daumen von ihnen umschlossen wurde. Und es kam ihr so vor, als wäre es Wirklichkeit.Blinzelnd sah sie durch eine Spalt auf ihre Hand und stemmte sich dann ruckartig mit den anderen Arm hoch. Bewundernd starrte sie auf ihre Faust. Ihr Physiotherapeut bewegte einen Finger nach dem Anderen und ließ Sam dann die gleiche Bewegung nachvollziehen. Immer wieder schüttelte er den Kopf.
" Unglaublich", murmelte er vor sich hin."Was hat dies Veränderung ausgelöst?" Er sah sie fragend an."Miss Hawkings?"
Sam blickte von ihrer Hand hoch, während sie immer wieder die Finger zur Faust ballte und wieder öffnete. Dr. Jacobs war frührer bei verschiedenen Tennisvereinen als Physiotherapeut tätig gewesen und hatte im Leistungssport immer noch einen guten Namen, obwohl schon einige Jahre eine eigene Praxis betrieb. Sam war seit ihrer Lähmung bei ihm in Behandlung. "Ich weiß nicht...wirklich nicht" Sam sah wieder lächelnd ihre Finger an. "Ich war wütend, traurig, enttäuscht und so.." Sie suchte nach den richtigen Wort. "So hilflos" Beruhigend legte Dr. Jacobs seine Hand auf ihre. "Überanstrengen sie nicht ihre Sehnen und Muskeln. Sie sind seit Jahren nicht bewegt worden. Morgen werden sie eine tüchtigen Muskelkater in der Hand verspüren. Aber üben sie ruhig weiter. Physiologisch ist ihr Bewegungsapparat vollkommen normal." Sam erhob sich. Sie verabschiedete sich und blieb kurz vor der Tür noch mal stehen und drehte sich humpelnd um. "Dr. Jacobs.." begann sie zögernd. Er sah von der Patientenakte auf.
" Wissen sie auch nicht, warum ich die Hand plötzlich bewegen kann? Ich meine, ist ihnen solch ein Fall wie ich bekannt?" Kopfschüttelnd antwortete der Arzt."Ich betreute noch keinen Patienten mit einer ungewöhnlichen Heilung wie dieser. Es gibt aber immer wieder Fälle in denen Außerordentliches geschieht. Beobachten sie ihren Körper. Vielleicht verändern sich noch andere Muskeln."
Unwillkürlich strich sich Sam mit der Hand über ihre verzerrte Gesichtshälfte.


Verletzt

Zwei Wochen war es her seit dem letzten Versuch Bus zu fahren und heute war es wie immer. Ein paar Kinder tuschelten und zeigten mit dem Finger auf sie. Erwachsene schauten meisten durch sie hindurch oder starrten interessiert, aber verstohlen auf Sam´s verkrüppelten Gliedmaßen und das entstellte Gesicht. Diesmal jedoch triumphierte sie innerlich und behielt ihre Hand zur Faust geballt.. Vergnügt schob sie ihren linken, verdrehten Fuß vor sich her und freute sich auf ihre heutiges Arbeitspensum und das chinesische Essen, welches sie sich am Stand an der Ecke ihres Hauses gekauft hatte. Die Plastiktüte in der rechten Hand öffnete sie stolz die doppelflüglige Tür zum Apartmenthaus und zwar mit der linken. Es bereitete noch Schwierigkeiten die linke Hand ein zusetzen, da ihr Arm leider nach wie vor gelähmt und im rechten Winkel an den Körper gepresst war, aber die Hand nutzen zu können, versetzte Sam immer in Hochstimmung. Als sie die Schiebetüren des Aufzugs auseinander glitten, wollte Sam das Essen in ihre linke Hand nehmen um mit der Rechten die Tür offen zu halten bis sie ausgestiegen war.
In diesem Moment traf sie ein Schlag gegen die rechte Hand, welche sich sofort taub anfühlte. Die Verpackung des Essens zerriss und der Inhalt verteilte er sich an der Wand der Kabine. Sojasprossen landeten halbrund im oberen Teil und das süßsaure Schweinefleisch fiel zum größten Teil zu Boden. Ein paar Stücken bleiben an der Metallwand kleben. Die Soße bespritze dem unteren Teil. Für einen Augenblick war es Sam so, als blickte sie in ein Gesicht aus chinesischen Essen.
Etwas Großes und Schweres traf sie an der Seite und brachte sie zur Fall.
Sam fiel auf dem Bauch, sich mit der rechten Hand abstützend. Ihr rechtes Handgelenk musste das gesamte Körpergewicht abfangen und war der Belastung nicht gewachsen. Ein heftiger Schmerz, als wen flüssiges Feuer in ihren Ader entlang raste, vom Gelenk bis zum Gehirn, so durchzuckte es sie. Im gleichen Moment wusste sie, das es gebrochen war. Ohne die abfedernde Wirkung ihre Arme knallte ihr Kopf auf den Aufzugboden. Der Schmerz auf der Stirn blendete sie kurz. Danach lief ihr Blut aus der Stirnwunde in die Augen. Ihr Umhängetasche wurde ihr brutal über den Kopf gezerrt. Mit dem rechten Unterarm versuchte sie das Blut aus den Augen zu wischen. Sam richtete ihren Oberkörper halb auf, stieß sich mit dem Füßen vom Boden ab, versuchte in eine Ecke zu rutschen.
Der Mann, der vor ihr stand, erschien ihr in dieser Situation sehr groß.
Er schütte der Inhalt ihrer Tasche auf den Boden und stecke sich hastig Geld, Schlüssel, Handy und Kreditkarten ein. Als er sie ansah, blieb der Blick auf ihrer Brust ruhen. Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. Er griff in die Tasche seiner Hose und zog ein kleines Schlüsselbund hervor, steckte einen davon in die manuelle Steuerung des Aufzuges. Dann tastete er das Fahrziel Tiefgarage ein. Bis zu diesem Augenblick war außer Sam Keuchen vor Schmerzen kein Wort gefallen. Der Räuber ließ sich nach vorne auf die Knie sinken, wobei mit Seinen ihre Beine langsam öffnete. Er beugte sich vorn und sprach halb gehaucht zu Sam.
" Ich habe noch nie einen Krüppel gefickt." Sam zuckte vor seinem Atem zurück.
Wieder versuchten ihre Füße sie weiter in die Ecke zu schieben. Doch hinter ihr war nur noch die glatte, kalte Metallwand. Ihre Absätze schabten über den geriffelten Boden und machten ein rhythmisches Geräusch.
Mit seinen Hände fasste er ihr in die Bluse und riss beide Seiten aus einander. Knöpfe flogen durch die Kabine und machen klingelnde Töne an dem Metall.
" Und so´n hübschen Krüppel auch noch."
Sein Blick war wieder auf ihre Brüste gerichtet, welche nun unbedeckt vorn ihm lagen. Dann schob er eine Hand in ihre weiten Seidenhose, zerriss dabei den Reisverschluss und versuchte, sie gänzlich zu entkleiden. Sam begann sich zu wehren. Sie wand sich, unfähig ihr Hände zu benutzen, versuchte der Mann mit den Knie an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen. Doch der wich lachend aus und riss ihr die Hose in Fetzen, presste seine linke Hand gegen ihren Oberschenkel ihres gesunden Beines und spreizte sie so.Er bemerkte das ihr anderes Bein steif und verdreht war.
Laut auflachend sagte er, "Das ist ja einfacher als bei ´ner normalen Braut." Er presste seinen Körper auf den ihren. Sam versuchte mit dem Ellenbogen ihres verletzten Armes auf ihn ein zu schlagen, was ihm nur ein zu Grunzen veranlasste. Er nahm ihren gelähmten Arm, hob ihn brutal an, um legte ihn sich um den Hals.
" Komm umarm mich, meine Süße."
Die für Sam unnatürliche Stellung ihres Armes bereitete ihr starke Schmerzen. Bunte Flecken tanzten vor ihren Augen. Ihr Atem ging nur noch stoßweise. Als er in sie eindrang, klärte sich ihr Blick plötzlich. Alles um sie herum schien in Zeitlupe abzulaufen, das Gesicht aus Essensresten an der Wand hatte sich in ein Grinsen verwandelt. Sam war noch Jungfrau, hatte zwar einige Pettingerfahrung, aber zum eigentlichen Akt war es nie gekommen. Und nach dem Ausbruch der Krankheit erst recht nicht. Bis zu diesem Moment war Sam still gewesen, nun aber brach der Schmerz und die Demütigung aus ihr hervor.
Sam schrie.
Aus vollen Leib.
Angst und Peinigung ließen die Wut in ihr wachsen. Ihr linken Arm um den Hals ihres Peinigers begann zu zucken. Und er drang tiefer in sie ein. Er versuchte seinen Oberkörper aufzurichten und ihren Arm nach hinten zu drücken und der Schmerz ließ sie nach lauter und höher schreien.
Er begann zu keuchen.
Sein Kopf neigte sich ihr wieder zu. Doch diesmal nicht freiwillig. Eine ungewöhnliche Kraft wuchs in ihren Muskeln und presste ihn an sich. Wärme durchfloss den Arm, gab ihm Kraft, drückte den Kopf gegen ihre Schulter.
Er versuchte mit aller Anstrengung den Griff zu entkommen. Doch sein Kraft reichte nicht aus. Immer stärker wurde der Druck, bis schließlich ein grässliches Knacken den Kampf beendete.Das letzte was Sam sah, war das Sojasprossengesicht an der Fahrstuhlwand, welches die Lippen spitzte und ihr eine Kuss zu zuhauchen schien.


Geheilt

Die Woche Krankenhaus hatte zwar ihre körperlichen Schmerzen gelindert, aber in Sam sah es verheerend aus. Der linke Arm war wieder voll funktionstüchtig. Keiner der Ärzte wusste ein plausible Erklärung dafür.
Der Schock oder die physische Notsituation hätten die Veränderung herbeigeführt. Der Gips an der rechten Hand sollte in 4 Tagen entfernt werden. Ein glatter, unkomplizierter Bruch war diagnostiziert wrden.
Schlimmer als ihre Verletzungen machte sich das schlechte Gewissen bemerkbar, einen Menschen getötet zu haben. Jede Nacht schreckte Sam aus dem Schlaf hoch, mit dem knackenden Geräusch im Ohr, dem Laut eines gebrochenen Genickes. Stundenlang nach dem Alptraum humpelte sie durch ihr Appartement und fand keinen Schlaf mehr. Ihre Arbeit blieb liegen.
Irgendetwas in ihr war aufgebrochen worden. Eine Veränderung ging mit ihr vor, die sie einerseits neugierig machte aber andererseits sie erschrecken lies. Von der Polizei hatte man ihr eine psychologische Betreuung an die Seite gegeben, einen jungen Mann, zwei Jahre älter als sie und gerade mal ein Jahr im Polizeidienst. Er war ehrgeizig und gab sich besondere Mühe, alle erlernten Kenntnisse bei Sam anzuwenden. Eigentlich fand sie ihn nett. Aber immer wenn ihre Gedanken sie allzu sehr mit Phillip beschäftigten, schüttelte sie die Versuchung aus ihrem Kopf hinaus. Sie war ein Krüppel und er ein gutaussehender Mann mit blauen Augen, blondem Haar, beeindruckenden Muskeln und einem angenehmen Wesen. Jede Unterhaltung mit ihm bereitete Sam Freude. Heftig schüttelte sie wieder den Kopf. Nein. Es hatte keine Zukunft und eine Mitleidsbeziehung wollte sie auf keinen Fall. Sam war auf dem Weg nach Hause. Den Aufzug benutzte sie nicht mehr seit ihren unheilvollen Erlebnisses. Langsam stieg sie die Treppen hoch. Hastig hüpfte sie auf dem rechten Bein an den Fahrstuhltüren vorbei. Schneller als hüpfen konnte sie sich nie fortbewegen. Sam besaß mit den Jahren eine sehr gut durchtrainierte rechte Seite, aber das linke Bein blieb nutzlos.Als sie die Wohnungstür hinter sich geschlossen hatte, atmete sie auf, hängte ihre Sachen an die Garderobe und ging langsam in die Küche. Als sie mit einen Glas Orangensaft in ihr Wohnzimmer zurückkehrte, blinkte auf dem Display des Computer die E-Mail Anzeige.
Sie setzte sich in den Erker vor dem mannshohen Fenster auf ihre Lieblingscouch, die aussah wie eine römische Liege und öffnete das Postfach mit einem Tastendruck. Phillip hatte eine Voicemail geschickt.Sam schaltete die Stereoanlage an und seine Stimme erfüllte den Raum. "Hallo Miss Hawkings, ich .. Ich hoffe sie nehmen es mir nicht übel .. also ich wollte sie fragen, ob sie mit mir.. na ja ich wollte sie zum Essen einladen ..hoffe sie lehnen nicht ab."


Verliebt

Die nächsten zwei Monate vergingen wie im Traum. Seit Jahren war in ihr nicht mehr soviel Fröhlichkeit gewesen. Ihre Behinderung am Bein gab zwar immer noch einen Wermutstropfen in Sam´s Freude ab, aber Phillip verstand es geschickt, nur Verabredungen zu organisieren, die für sie kein Hindernis darstellten. Und obwohl ihr ein wenig mulmig im Bauch war, hatte Sam zu gestimmt mit ihm eine Reise nach Irland zu machen. Schon immer schwärmte sie von dieser Insel, aber bisher hatte sie keine Möglichkeit gehabt, sie zu besuchen. Vorfreude wärmte ihr das Herz, als sie am Morgen des ersten Urlaubstages in London-Heathrow standen, mit gepackten Koffern und Phillip das Check-in für beide erledigte.Sam lies sich überreden, sich in einen Rollstuhl zu setzen, weil die weiten Wege im Flughafen zu anstrengend für sie waren. Sie flogen direkt nach Dublin und dort mietete Phillip einen BMW, mit dem sie bis zur Westküste der Insel fuhren. Phillip hatte die Route ausgearbeitet und entlang der Strecke viele Sehenswürdigkeiten als Haltpunkte eingeplant und die Nächte verbrachten sie in kleine Landgasthöfen, wobei Sam die Abende am Kamin mit einem Glas Maltwhiskey in der Hand am meisten liebte. Vier Tage vergingen wie im Flug und wenn sie die Küstenstrasse Entlangfuhren, vergaß sie bei dem Anblick ihr Bein völlig. Am Abend des fünften Tages erreichten sie ihr Ziel, ein kleines Hotel in der Nähe von Powerscourt Gardens in den Bergen von Willow. Es war alt, aber gut gepflegt worden. Jetzt im Herbst waren fast alle Zimmer unbelegt, nur ein älteres amerikanisches Ehepaar logierte im Hotel. Der Wind heulte unter ihrem Fenster und Sam genoss den Ausblick auf das Meer, sah wie die Wellen an die Felsen brandeten. Die Luft schien mit kleinen Salzwassertröpfchen erfüllt. Sie atmete tief durch und schloss das Fenster, lies sich rückwärts aufs Bett fallen und war glücklich. So lange Jahre, bemerkte Sam, hatte ihr dieses Gefühl gefehlt, war abhanden gekommen in ihren Wust aus Ärger, Angst und Wut. Jetzt war es da.
Sam lächelte.
Am nächsten Morgen, nach einer langen nächtlichen Unterhaltung mit Phillip und einem ausgiebigen Frühstück, fuhr Phil sie zu einem ganz besonderem Platz, wie er geheimnisvoll lächelnd bemerkte. Sam drängte ihn während der Fahrt ihm mehr zu verraten. "Los komm erzähl es mir!", forderte sie.
" Warte bis wir da sind. Es ist genau der Platz, den du dir gewünscht hast."
" Gewünscht?", erwiderte Sam. "Ja die Beschreibung stimmt fast haargenau." Phillip lächelte sie an. "Ich hab eine Weile suchen müssen. Aber der Wirt wusste gleich welchen Ort ich meine. Die Wasserfälle von Powerscourt."
Sam war verwirrt. "Was hab ich mir gewünscht?"
" Na komm Sam." Phillip lachte belustigt.
" In deiner E-Mail hattest du doch alles genau beschrieben, das Hotel.." Sam fiel ihm ins Wort.
" Hotel? e-mail? Wovon redest du, Phillip?" Er drosselt die Geschwindigkeit des Wagens. "Sam, du hast mir doch die E-Mail mit der Idee der Irlandreise geschrieben. Du hast das kleine Hotel beschrieben und dem Wasserfall zu dem wir unterwegs sind. Du schwärmtest von dem mystischen Ort und das mich da eine Überraschung erwartet."
" Nein.", entfuhr es Sam. "Keine Überraschung?"
" Nein, nein. Ich habe keine E-Mail mit so einem Inhalt an dich geschrieben. Die Idee kam von dir, ich wollte immer schon nach Irland und hab mich wahnsinnig gefreut, als du mich eingeladen hast, aber ich habe nichts beschrieben." Sam blickte verwirrt. "Und was für ein Wasserfall?", fragte sie.Phillip lenkte das Auto an den Straßenrand, lockerer Kies klapperte an den Boden, er bremste und wandte sich ihr zu, als sie zum stehen kamen.
" Aber Sam.. wer...wenn nicht du?", stammelte er. "Jemand der uns zusammen bringen wollte?", fragte er und blickte ins Sam´s Augen. "Ich wüsste nicht.." Durch ihren Kopf schossen Namen von Bekannten, die zu so etwas fähig waren, aber es fiel ihr keine ein.Phillip hatte ihr linke Hand in Seine genommen und blickte sie immer noch erwatungsvoll an. "Vielleicht ist das jetzt ein Moment wo ich.."
" NEIN", entfuhr es ihr barsch. Im nächsten Moment tat es ihr leid.
Innerlich hoffte, sehnte sie die Bedeutung eines solchen Augenblickes herbei, aber gleichzeitig flogen ihre Gedanken in die Zukunft und die Angst enttäuscht zu werden lies sie sich in ihrem Sitz versteifen und ihre Hand aus seinen nehmen.Phillip lehnte seinen Kopf zurück und atmete tief ein und aus.
" Fahr bitte.", sagte Sam leise. Phillip begann zu sprechen. "Sam du kannst nicht.."
" Nicht hier und nicht jetzt. Bitte.", unterbrach sie ihn. "Lass mir Zeit.", fügte sie leise hinzu. Nickend lenkte er das Fahrzeug wieder auf die Strasse."Und nun erzähl mir von dem Wasserfall." Sam blickte nach unten, zwischen ihre Füsse und ein lächeln stahl sich in ihr Gesicht.
" Begegnen wir dort einer Fee?", fragte sie mit einem Brustton der Überzeugung und dem erstaunten Gesicht eines Kindes.


Verträumt

"In den Bergen von Willow", dozierte Phil, als sie das Auto verließen, "fließt der Dargle über eine Felskante und stürzt 120m in die Tiefe. Die ist der größte Wasserfall Irlands." Es war ein regelrechter Wald aus Rhododendrenbüschen, durch die sie schritten. Sie atmeten den betäubenden Duft der vielen Blühten ein. Ein tiefes Rauschen schien durch seinen einförmigen Ton die Luft zum Vibrieren zu bringen und erzeugte ein Gefühl der Unruhe im Magen. Der Powerscourt Fall beeindruckte Sam außerordentlich. Das Geräusch des Wasser brachte etwas in ihr zum Zittern.
Nein es war mehr eine Unruhe, eine Sehnsucht, die sie zum Wasserfall zog.
Ü berall auf den Blättern lagen winzige, kleine Wasserdiamanten und funkelten in der Sonne. Die Felsen waren voller grünen, weichem Moos und in der Luft wirbelten Myriaden feiner Wassertröpfchen herum, so dass es wie ein weicher, grünlicher Schleier schien, der sich auf Sam´s haut legte, sie einhüllte und ihre Gedanken verschwimmen ließ. Sonnenstrahlen durchbrachen wie Lichtspeere diesen Traum, auf dem grasbedeckten, moosdurchsetzten Boden wirbelten Muster, geschaffen durch Sonnenlicht, Blätter und sanftem Wind. Sam´s Körper schwebte in Richtung des Wasserfalls. Sie versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Vernunft stieg in ihr hoch, versuchte die Gefühle zu verdrängen und verschwand wieder mit ein Hauch des feuchten, warmen Windes. Immer höher stieg sie dem donnernden Wasser entgegen, konnte es fast berühren. Phil blitzte wie einer ferne Erinnerung durch ihren Kopf. Unwirklich sah sie sein Gesicht für eine Sekunden, versuchte den Gedanken zu halten und glitt immer weiter in Richtung Wasser. Mit einer unsicheren, suchenden Handbewegung tastete sie nach Phillip und bemerkte plötzlich das Gras unter ihren nackten Beinen, spürte den Untergrund, der sich an sie presste und nun begriff sie, dass sie auf dem Boden lag. Phil kniete vor ihr und hielt ihren Kopf in beiden Händen und schaute auf das herabstürzende Wasser. Sein Gesicht wirkte entrückt, große Augen und der halb offene Mund zeugten von geistigen Abwesenheit.Sam drückte seine Hand.
Ein Zucken durchlief seinen Körper wie eine Welle. Ein tiefes Brummen, halb Enttäuschung, halb Verwunderung klang aus seiner Brust. "Was war das?", flüsterte er fast unhörbar, mehr zu sich selbst als zu Sam, den Blick immer noch auf das entfesselte nasse Element gerichtet. Phil senkte den Kopf und betrachtete Sam Gesicht in seinen Händen. "Ist die schwindelig?", fragte er besorgt. "Ja...", hauchte Sam. "Ich hatte das Gefühl auf den Wasserfall zu zuschweben.. war gefangen von seinem Geräusch, dem Geruch und dem Anblick, bis ich dein Gesicht erblickte.
Daran hielt ich mich fest."
Ein Träne machte sich auf dem Weg aus ihrem rechten Augenwinkel über das Jochbein. Phil berührte sanft die salzige Flüssigkeit mit seinem Finger.
Er legte Sam´s Kopf sanft in Gras."Du flogst vor mir in den Wasserfall und ich hatte Mühe dich zu erreichen. Durch die Berührung deines Haares, als ich dich endlich eingeholt hatte, fand ich mich hier wieder." Phil´s Lächeln schien in ihr etwas aufzusprengen. Während des Fluges auf den Wasserfall zu, war ihre Behinderung vollkommen verschwunden. "Du..", Phils Augen weiteten sich wieder. "warst nicht mehr gelähmt."
" Ich weiß!", flüsterte Sam, so leise, das nur sie es hören konnte. Und dann so laut, das es seine Ohren vernehmen konnten, "Ich liebe dich." Die ersehnte Antwort kam, verschwunden war die Angst vor Ablehnung, das verletzte Selbstwertgefühl, der Rest dummer Stolz und auch die Einsamkeit, die Leere in ihren Leben. Ausgefüllt mit Liebe fühlte sie sich.
" Ich liebe dich auch!", waren die erhofften Worte. Seine Mund kam dem Ihren immer näher, öffnete sich langsam zum Kuss. Als Sam die Augen schloss drückte sie, noch eine Träne hervor. Diese floss schnell an ihrer Schläfe hinab und verschwand in ihrem Ohr.

Verirrt

Phil´s Mund hatte den Ihren noch nicht erreicht, schwebte eine Zungenspitze von den Lippen entfernt über ihr.
Er schien still zu stehen.Dann fiel der Kopf ruckartig nach vorn. Die Lippen prallten kurz auf einander, flüchtig, wie ein unabsichtlicher Kuss.
Sein schwarzes Haar wischte ihr über ihr Gesicht und als sie nach einem Augenblick wieder sehen konnte, bemerkte sie erschrocken, das sich die Haltung seines Körpers nicht verändert hatte.
Ruckartig blickte Sam nach links. Philips Kopf kullerte, lustig hin und her springend, ein paar Meter abwärts, blieb senkrecht stehen und sah sie erstaunt an. Plötzlich blinzelten seine Augen und der Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei. Doch nur ein leises Gurgeln drang hervor. Sam drehte den Kopf zurück und sah in Philips Hals. Sie erblickte die durchtrennten Sehnen, die zuckten, Muskeln, die sich hektisch kontrahierten und das Rückenmark, welches mit farblosen Tropfen auf ihr Kinn fiel. Blut sah Sam nicht, stellte sie verwundert fest und wunderte sich gleich wieder über ihre nüchterne Einschätzung. Ein riesiger Schwall roter Flüssigkeit schoss in diesem Augenblick aus dem Inneren des Körpers hervor. Sam gelang es nicht rechtzeitig den Mund zu schließen, als das Herz das Blut herauspumpte. Entsetzt wälzte sie sich hustend und spuckend zur Seite.
Phil Augen folgen ihr, als sie sich hinkniete. Sein Rumpf war vorne über gekippt und hielt sich noch ein paar unendliche Sekunden, fiel dann auf die linke Seite.
Hektisch wischte sich Sam das klebrige Blut aus den Augen. In ihrem Mund brannte der metallische, salzige Geschmack. Ihre Zunge bekam einen pelzige Überzug. Immer wieder ausspuckend und würgend erhob sie sich. Ein Krampf in ihrem Magen pumpte den Inhalt hervor und sie erbrach sich mit einem riesigen Schwall. Geronnenes Blut, vermischt dem Resten der Frühstückes, flog durch den grünlichen, feuchten Nebel und klatsche ins nasse Gras.
Phil´s Mund öffnete sich wie bei einem Fisch, der auf dem Trockenem liegt.
Es schien, als hätte ihn jemand bis zum Kopf eingegraben oder als würde es normal sein, das auf dieser Wiese Köpfe wachsen. Worte wie Infektionsgefahr und Wundbrand schossen ihr durch den Kopf. Mit einem Lidschlag beendete sie das sinnlose Nachdenken darüber. Die durchtrennte Luftröhre machte leise furzende Geräusch bei dem Versuch einzuatmen. Erst jetzt sickerte das Begreifen ihren Geist, wie der Tropfen Kaffee einen Zuckerwürfel langsam braun färbt.
Wer war der Angreifer?
Hektisch rollte sie sich ein paar Mal um ihre Körperachse, um aus der Reichweite der Bedrohung zu kommen, sprang mit aller Kraft auf die Beine und wandte sich in der Bewegung ihrem Feind zu. Was sie erblickte lies sie erstaunt innehalten. Doch im nächsten Augenblick hatte das scharfe, rot gefärbte und stellenweise silbern blitzende Schwert ihre Unterarm erreicht, den sie im Reflex hoch hielt, um sich vor dem Schlag zu schützen. Während sie ihrer Hand nach sah, die im hohen Bogen durch den Nebel segelte, wurden ihr drei Dinge bewusst.
Erstens hatte der Angreifer lange gewartet, bis er sie angriff. Bis zu diesem Moment hätte man Sam schon einige Male zerhacken können, aber der Angreifer wartete auch jetzt ab und setzte mit keinem tödliche Schlag hinterher. Also töten wollte man sie nicht. Phillip folgte immer noch ihren Bewegungen mit den Augen. Wie lange dauerte es bis man starb, ohne Kopf? Gab es eine zeitlichen Unterschied zwischen Rumpf und dem Haupt? Zweifel begannen in ihr zu wachsen.
Zweitens waren alle Behinderungen verschwunden. Ein Reflex hatte sie aufspringen lassen. Mit ihrer Lähmung hätte sie mehrer Minuten gebraucht um aufzustehen. Kraft schien in alle Muskeln zu pulsieren. Sehnen und Bänder waren im Hochform. Auch ohne rechte Hand durchströmte das Gefühl ihrer eigenen Macht Sam. Als ihre Hand in ihre eigenes Erbrochens klatschte, erlosch dieses innere Leuchten. Leere und Dunkelheit, Einsamkeit und Verlorenheit flossen in ihren Geist. Sam erschlaffte, die aufgebaute Spannung lies nach und sie klappte zusammen, wie ein Taschenmesser. Wasser füllte ihre Augen.
Und Drittens: Der Angreifer war ein Frau! Vor ihr stand, mitleidig lächelnd, eine wunderschöne Frau. Sie über ragte Sam um einen Kopf. Die nackten, perfekt geformten Beine wurden nur von einem nebelhaftem Schleier verdeckt. Langes blondes Haar wallte bis über ihren Gesäß. Ideal gewachsene Brüste und ein wundervoller Gesicht ließen eine Aura von perfekter Schönheit um dieses Wesen fließen. In ihrer herabgesunkenen Hand befand sich das riesige Schwert, von dem Blut in Gras tropfte. Anscheinend schien sie nicht die Absicht zu haben, Sam weiter zu zerkleinern. Sam´s linke Hand umklammerte den Armstumpf, aus dem nun auch Blut sprudelnd hervor quoll. Merkwürdigerweise spürte sie keinen Schmerz. Sie lies sich auf die Knie fallen, hob den Kopf und blickte die fremde schöne Frau fragend an. Mit einer abwertenden Handbewegung drehte sich diese von Sam weg, hob mit spitzen Fingern die abgeschlagene Hand auf und warf dieses Sam im hohen Bogen zu. Mit einem entsetzten, leisem Aufschrei versuchte Sam der Kollision zu entgehen, sich wegzudrehen, aber die blutige und mit Erbrochenem beschmierte Hand patschte ihr dadurch nur auf die Schulter und kullerte danach über ihre Brust in ihren Schoß. Die perfekte Frau schüttelte traurig den gesenkten Kopf. Dann blickte sie zornig in den Himmel, breitete die Arme aus, immer noch das blutige Schwert in der Hand und schrie zornig.
" Ein Mensch?" Ungläubig starrte sie Sam in die Augen und rief:"Ein Mensch soll uns helfen?" Sie hieb mit den Schwert zischend durch die Luft, so das Sam sich duckte.
" Sag mir, wie soll dieser ängstliche Haufen Fleisch uns nützlich sein?", rief sie wieder den Oberkörper trotzig gen Himmel reckend. Wütend ging sie auf Sam zu, die hastig versuchte rückwärts zu kriechen. Die Hand lag nun im Gras und zuckte merkwürdig.
" Nun nimm endlich deine Hand und setz sie wieder ran, sonst beginnt sie zu leben."
Unwirsch schob sie mit der Spitze des Schwertes Sam die abgetrennte Gliedmaße zu. Widerwillig ergriff Sam ihre eigene Hand, welche sich sofort mit einem festen Händedruck an dem linken Pendant festklammerte. Wieder entfuhr Sam ein leiser Aufschrei. "Drück sie gegen die Wunde!" fuhr die fremde Frau Sam harsch an. Als Sam auf die offene Stelle ihres Armes blickte, begann sich schon zarte rosa Haut auf dem blutigen Fleisch zu bilden. Entschlossen presste Sam die durchtrennten Teile aufeinander.
" Warte bis es warm wird, dann noch ein paar Minuten Ruhe und schon bist du um eine Erfahrung reicher." Der spöttische Unterton zeigte Sam die Verachtung, welche dieses weibliche Wesen für sie empfand. Wärme strömte jetzt aus ihrem Arm in die Hand. Wie in einem Zeitraffer schlossen sich die Wundränder und Sam bekam langsam die Kontrolle über ihre Hand zurück.
" Los und nun dein Freund.", herrschte sie Sam an. "Mach schon!" Mit einem brutalen Fußtritt beförderte sie Phil´s Kopf in Richtung Rumpf. Als der zu seinem anderen Teil heran gerollt war, hing ihm ein Auge am Sehnerv aus der Augenhöhle. Und das andere blinzelte."Nun sei nicht so zimperlich, Mensch!" Sie sprach es wie ein Schimpfwort aus.
Sam nahm all ihren Mut zusammen und packte Phillips Kopf an der Ohren, wo sonst hatte sie überlegt, kniete sich über den Rumpf und drückte beide fest zusammen.Nach wenigen Sekunden hustete Phil blutigen Schleim über ihre Hände und zuckte ein paar Mal. Sam schob das Auge, welches sehr langsam in die Augenhöhle zurück gezogen wurde, mit sanften Druck in die ursprüngliche Position.
" Danke..", röchelte Phil. Sam war unfähig zu sprechen. Sie nickte ihm nur zu und lies den Kopf los. Sie stand auf und wandte sich der unbekannten, brutalen und doch faszinierend schönen Frau zu.
" Menschen", abfällig dieses Wort wiederholend lief sie immer wieder im Kreis und zog das Schwert hinter sich her. "Warum bekomme ich statt Hilfe einen unfähigen Menschen?"
" Zwei.."
Sam ließ die Berichtigung im Raum hängen, denn der gefährliche, blonde Engel drehte sich abrupt zu Sam um. "Dich hab ich nicht gemeint. Kein Ahnung, warum du hier bist." Sie zeigte mit einer heftigen Bewegung des blutigen Schwertes in Phil´s Richtung, der zurückzuckte, als ein paar Blutstropfen in seinem Gesicht spritzten.
" Was willst du hier?", fuhr die Frau Sam wieder an. "Wie hast du den Übergang geschafft? Nur auf ihn hab ich gewartet!" Sie wandte sich wieder Phil zu.
" Und was hab ich bekommen?" Sie war ein paar Schritte auf Phil zu gegangen, der sich ängstlich duckte und ihn die Hocke ging.
" Na was?", schrie sie ihn an.
" Ich heiße Phillip..", flüsterte er, den Kopf gesenkt.
" Ein menschliches Stück Scheiße, einen ängstlichen Fleischhaufen! Du bist es nicht wert einen Namen zu tragen", wieder reckte sie die Arme wütend zum Firmament und schüttelte die Hiebwaffe.
Als sie die Arme herabsanken, schnellte Phil mit einem Mal aus der Hockstellung wie eine Sprungfeder hervor und führte mit der rechten Faust einen harten, gezielten Schlag gegen das rechte Handgelenk der Frau. Bevor das Schwert im hohen Bogen durch den Nebel fliegen konnte, hatte Phil mit einem blitzschnellen Griff der linken Hand das scharfe Ding gepackt und rollte katzenhaft im weichen Gras ab. Dem Schwung ausnutzend landete er auf den Füßen und führte mit dem Schwert einen furchtbaren Schlag hinter sich, ohne sich um zu wenden.
Die schöne Frau hatte ihn im selben Moment nachgesetzt, als Phil die Waffe an sich gebracht hatte und wehrte den Hieb mit ihren elfenbeinfarbenen Unterarmschonern ab und wirbelte, sich um die eigene Körperachse drehend, um Ihren Gegner den linken Ellenbogen ins Gesicht zu rammen. Doch auch Phil hatte sich umgedreht und schlug aus der Hüfte in Richtung ihres Bauches. Ihr Schlag ging ins Leere, denn der rechte Arm wehrte den Angriff wieder ab. Gleichzeitig mit dem Krachen des Schwertes auf die Rüstung, trat Phil ihr mit dem Fuß in die linke Kniekehle, so das es einknickte.
Doch diese Energie nutze sie sofort aus und rollte durch das Gras und um mit einer eleganten Bewegung gleich darauf in einer kampfbereiten Pose zu erstarren, dann auch Phil setzte ihr nach und trieb ihr mit heftigen, unnachgiebigen Schub die Waffe bis zum Heft in den Oberkörper.
Als es auf der anderen Seite austrat, schien das Schwert sauber zu sein.
Sam wartete auf das Blut, aber nichts passierte. Im Gegenteil. Die Frau lächelte und packte die Waffe mit beiden Händen und zog sie mit kurzen Ruck aus ihren Körper. Phil war zurückgetreten und blickte ihr schweratmend, aber selbstbewusst, ins Gesicht. Die Wunde zwischen ihren Brüsten schloss sich innerhalb von Sekunden.
" Nicht schlecht...für einen Menschen. Ich hatte lange keinen ebenbürtigen Gegner zu unseren Reihen.", sagte sie.
Phil sprach immer noch kein Wort. Sam wandte zwischen den Beiden ihren Kopf immer hin und her. Langsam erhob sie sich, räusperte sich und als immer noch keiner der beiden ein Wort sprach, fing sie an.
" Also...ich weiß nicht so richtig...ich meine...was ich hier soll. Wo sind wir hier? Und warum?" Phil und die fantastisch aussehende Frau starrten sich immer noch wortlos in die Augen. Sam wurde mutiger.
" Na ja.. jedenfalls scheint ihr euch ja irgendwie zu kennen. Ich meine nach der Vorführung eben." Sie trat einen Schritt näher heran und sah beiden abwechselnd in Gesicht.
" Aber könnte mich bitte einmal jemand aufklären?" Die Zuversicht in ihr wuchs stetig, Mut und Stärke schienen sich aus ihrer Mitte heraus auszubreiten.
" Was soll ich ihr?" Sie schrie die Frage fast.
" Schweig Mensch !", befahl ihr die Frau. In Sam´s Seele explodierte eine Sonne.
" Nein!", kreischte sie zurück. "Ich will jetzt wissen. warum ihr hier bin, wer ihr seid und was das Kämpfen, das Abschlagen von Köpfen und Händen und das Festwachsen zu bedeuten hat." Kraft strömte ihr in die Hände, lies Wärme in den Armen pulsieren.
Sam war wütend.
" Du Mensch wagst es so mit einer Fee zu reden?" Das letzte Wort spie sie Sam entgegen, dabei holte mit dem Schwert Schwung.
" Ich, wenn du hier sterben könntest, würde dich jetzt gerne töten. Aber ich kann dich wenigstens für eine Weile ruhig stellen!"
Das Schwert sauste mit der flachen Seite auf ihren Kopf zu. Sie kniff die Augen zu und versuchte sich zu ducken. Farben explodierten vor ihren geschlossen Augen. Sterne sprangen hoch, zerplatzten in tausende neue Formen, verwischten sich zu bunten Schlieren.Den Schmerz registrierte sie erst, als sich der dunkle Hintergrund langsam rot färbte. Erstaunt riss sie die Lider hoch. Doch jetzt senkte sich der wohltuende Schleier der Bewusstlosigkeit über ihre Schmerzen.

Einsam

Phils Worte tropften durch ihren Traum, trieben wie Blätter auf einem Fluss davon, ohne das sie eine Bedeutung erfassen konnte. Als nächstes nahm sie das Licht war außerhalb ihre geschlossenen Lider war. Vorsichtig öffnete sie die Augen einen Spalt und sah Phil an Fenster stehen. Wie bei einer Sanduhr rann die Erinnerung zurück in ihr Aufwachen. Irland, Reise, das Hotel...ja sie befand sich im Hotelzimmer, die Fahrt zur Quelle..Sie atmete schneller. Der flüchtige, nicht erfolgte Kuss fiel ihr ein, der abgetrennte Kopf und Blut, Blut, viel Blut.
Schmerzen im Kopf bestätigten ihr die Wahrheit der Geschichte. Mühsam versuchte sie sich aufzusetzen. Das Gehirn schien auf einem Nagelbrett hin und her zu rollen. Schwer ausatmend lies sie sich zurück sinken. "Hilf ihr!", forderte Phil jemanden nachdrücklich auf. Eine Hand legte sich auf Ihren Kopf und Wärme floss in ihren Körper. Binnen Sekunden füllte sie sich mit Sonnenlicht, glühte innerlich. Die Erkenntnis aber, wer ihr dort half, brachte Sam dazu, aus dem Bett zu springen.
Die Fee!
Mitleidig lächelnd stand sie am Kopfende der hölzernen, mit malvenfarbene Gardinen verhangenem Himmelbettes. Sam presste sich in die äußere Ecke des kleinen Zimmers, zwischen eine handgeschnitzte Vitrine und einer altertümlichen Kommode. Schweißtropfen bildetet sich auf ihrer Stirn. Phil trat auf sie zu, legte ihr beruhigend die Hände auf die Schultern und führte sie sanft zu einem in der Nähe stehenden Sessel, drückte sie in das Polster.
" Das ist Kadyaríel.", sagte er auf die Frau weisend. "Die Fee der Quelle.
Sie hat dort auf mich gewartet." Er trat zurück und setzte sich ebenfalls in einen Sessel.
" Sam die Quelle.. na ja die Kelten glaubte früher.." Kadyaríel unterbrach ihn.
" ...wussten, mein lieber Cúchulainn, sie wussten es!" Im diesem Moment öffnete sich die Zimmertür und ein Pärchen trat ein. Ohne eine Notiz von den Anwesenden zu nehmen, versanken sie in einem innigen, feuchten Kuss und begannen mit gegenseitige Unterstützung die Kleider abzulegen. Sam starrte abwechselnd auf Phil, Kadyaríel und das Pärchen. "Gut, ja ich weiß es ja selbst. Die Quellen sind Tore zur Totenwelt. Deshalb sind wir auch nicht an den schrecklichen Verletzungen gestorben. Weil...na ja hier sind schon alle tot!" Phil lächelte verlegen.
" Ich weiß, was du jetzt denkst...du träumst oder halluzinierst. Aber glaub mir, es ist wirklich wahr. Schmerzen, Essen und Trinken, sowie alle Körperbedürfnisse sind genauso vorhanden, wie in der realen Welt."
Das Pärchen war jetzt nackt. Sam schätzte das Alter auf kurz vor der Rente und beide Partner waren doch schon arg aus der ursprünglich von Gott angedachten Form geraten. Ihre Massen klatschten aufeinander, als sie auf das Bett plumpsten, auf dem Sam noch eben gelegen hatte.
" Gott...ja wo ist Gott?", fragte sie geistesabwesend.
" Nun Sam, also der einzige Gott, den du zu kennen meinst, an den du zu glauben gelernt hast...den gibt es hier nicht. Hier existieren eine Vielzahl von Göttern und wir sind im Totenreich."
Kadyaríel trat einen Schritt auf Sam zu, beugte sich zu ihr und sagte leise, "Im Reich von Morrígan!", dann warte sie auf eine Reaktion Sam´s, als müsste ihr der Name einen Schrecken einjagen, aber sie hatte das Wort noch nie gehört.
" Kadyaríel, warte sie ist ein Mensch. Woher soll sie es wissen?"
" Du kennst es auch!"
" Ich gehöre auch hierher. Und meine Verbannung ist durch dich beendet worden. Warum auch immer!"
" Meine Aufgabe bestand darin, jemanden in das Reich zu holen. Ich wusste weder wen, noch das es auf einmal zwei sind, nur das uns jemand helfen wird, gegen Sie anzutreten.", entgegnete sie ihm.
Der korpulente Mann begattete inzwischen heftig die fette Frau, wobei er, obenliegend, leise furzte, wenn er in sie eindrang, worauf sie quietschende Geräusche von sich gab. Mit jedem Stoß prallte das Bett gegen die Wand, woraufhin von der Glaßcheibe des Bildes über ihnen ein helles Klappern ertönte.
Sam konnte den Blick nicht von ihnen abwenden. Irgendwie wurde die Situation zu unwirklich. Langsam, ohne den wegzusehen, legte sie ihre Hand auf Phils Arm. "Siehst du sie auch?", flüsterte sie, nachdem er den Kopf gesenkt hatte und ihr dann fest in die Augen blickte. "Ja.", hauchte er zurück.
" Sie leben...Sam. Wir können sie sehen, aber sie uns nicht.."
Er holte tief Luft, hielt sie ein paar Sekunden bedeutungsschwanger an, atmete aus und erklärte ihr mit seiner letzten Luft, fast tonlos: "Wir sind tot..."
Das Satz blieb in der Luft hängen. Phil sah ihr ins Gesicht, wartete auf eine Reaktion. Kadyaríel verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln und Sam wusste genau, was sie erwartete. Doch den kurzen hysterischen Anflug unterdrücke sie leicht. Zustimmend und akzeptierend nickte sie langsam und vorsichtig.
" Du bist ein Elf und heißt...Cúchulainn...gut. Sie ist eine Fee, die Hüterin der Quelle und heißt Kadyaríel."
Sam starrte weiter auf die Koitus vollziehenden Rentner. Wieder nickte sie bedächtig.
" Und wann hören die auf zu ficken?, fragte sie leise.
Aus Kadyaríel brach ein schallendes Lachen hervor. "Eines können wir nicht, Einfluss auf die Lebenden nehmen. Wir sind unsichtbar für sie. Nur an den Quellen sind Übergänge erschaffbar, durch die Macht der Feen. Aber immer nur ins Totenreich. Es existiert keine Möglichkeit zurückzukehren."
" Aber sie sollen endlich aufhören..!" Sam´s Kopf füllte sich mit Wut, Hitze schien sich, wie für einen Vulkanausbruch, in ihrem Bauch zu sammeln und langsam aufzusteigen. Ohnmacht wallte in Schüben nach oben. Sam schrie ihr Wut heraus.
" Sie schlug mir heute die Hand ab und sie wuchs wieder an und davor bin ich fast am Blut meine Freundes ertrunken, dem einige Zeit der Kopf fehlte, ihr hab mir erklärt, ich sei tot und nun Vögeln in meinem Hotelbett zwei Menschen, die meine Großeltern seien könnten!" Sie steigerte ihre Erregung, ihren Zorn mit jeden Wort. Am Schluss schrie sie.
" Hört endlich auf!"
Der dicke Mann schien etwas gehört zu haben. Als Sam Schrei ertönte hielt er plötzlich inne, atmete tief ein und lies sich dann auf seine Partnerin sinken. Kadyaríel begann zu langsam klatschen. Leise lachend und den Kopf schüttelnd honorierte sie Sam´s Wutausbruch. "Ich gratuliere dein Schrei treibt alte Männer zum Orgasmus." Sam hatte den Kopf gesenkt schämte sich für ihre Unbeherrschtheit. Sie war nun wütend auf sich selbst, über ihren ungezügelten Ausbruch, denn innerhalb von Sekunden war ihr Zorn verraucht, ebenso schnell, wie sie gekommen war. Alle in Raum waren still.
Bis auf die fette Frau. Denn plötzlich begann sie zu schreien. Hysterisch versuchte sie unter dem Mann hervor zu kriechen. Sam und Phil schauten sich verwundert an und erhoben sich. Auch Kadyaríel´s Gesicht nahm einen ungläubigen Ausdruck an. Die Erkenntnis, das der alte, verfettet Mann tot war, traf Sam wie eine Keule. Ein Schwindelgefühl zwang sie dazu, sich am Bettpfosten festzuhalten. In seinem Todeskrampf, dem alle, wohl auch die alte Frau, für einen Orgasmus gehalten hatten, entleerte sich sein Darm.
Der Kot war nun verteilt über Bauch und Beine der nackten Frau und verhinderten mit ihrer Glitschigkeit, ein schneller Hervorwinden unter dem toten Körper. Inzwischen leise wimmernd kroch sie mühsam aus dem Bett.
" Ich hab ihn getötet", flüsterte Sam. "Mein Gott...ich hab ihn umgebracht!" Entsetzen erfüllte Sam. Wie bei einem Sturz aus großer Höhe fühlte sich ihr Inneres an, zwang sie zum verkriechen in die Einsamkeit des Schuldgefühles. Eine Hand an ihrem Kinn brauchte sie zur Besinnung.
" Dummes Huhn! Glaubst du, du bist ein Gott? Die Welt der Lebendigen beeinflussen kannst du?"
Hart stieß die Fee sie zurück, so dass Sam zurück taumelte und um ein Haar den Sessel verfehlt hätte. Kadyaríel beugte sich zu ihr herunter. "Du bist ein Mensch und genauso tot, wie der Berg Fleisch dort. Und keine Macht der Welt bringt dich zurück, es denn..." Sie hielt inne. "Es sei denn Morrígan will es so!" Ein Gedanke erstand in Sam´s Kopf, formte sich zu einer Frage, quoll aus ihrem Mund. "Und warum ist er jetzt nicht hier, wenn er tot ist?" Trotzig und überlegt sollte es klingen, aber als es ausgesprochen wurde, kam es ihr zögernd und schüchtern vor. Kadyaríel schnaubte nur kurz. "Er wird sich in den Räumen von Morrígan aufhalten. Es wird gerichtet über ihn. Danach kann er gehen, wohin er will." Sie wandte sich Phil zu. "Genug geplaudert. Cúchulainn komm. Wir haben wichtigeres zu tun."
Kadyaríel erhob sich. "Soll sie mit uns reisen? Oder willst du sie hier lassen?"
In Sam stieg Panik hoch. Was sollte sie anfangen in diesem Hotelzimmer? Allein mit einer verstörten Alten und einem toten Mann. Aber Phil, oder besser Cúchulainn, lächelte ihr zu. "Sie kommt mit uns.", antwortete er bestimmt. Dankbar erfasste Sam seine Hand, als er zu ihr herantrat.
" Dann berührt mich für die Reise." Cúchulainn und Sam traten zu der Fee und er ließ seine Hand auf ihre Schulter sinken. Sam zögerte. Erst als Kadyaríel spöttisch das Wort Mensch zischte, packte sie ebenfalls den Oberarm des übernatürlichen Wesens. Ein Ton erfüllte den Raum wie ein mehrstimmiger Gesang und kurz darauf, wurde die Welt um sie herum unscharf, schien sich in bunten Schlieren aufzulösen. Wind kam auf, wirbelte um die Drei, Oben und Unten drohten zu verschwinden. Dann festigte sich das Bild wieder und die Quelle ertönte mit ihrem Rauschen.
Die Fee sank ins Gras, breitete ihr wundervolles Blondhaar über das Grün und blickte zu den Beiden empor, die sie erwartungsvoll anstarrten.
" Willst du dies Menschlein wirklich mitnehmen? Sie wird dir nur hinderlich sein bei deiner Aufgabe, deine Reise verlängern." Ein schelmisches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. "Oder willst du sie als Bettgenossin? Oh Cúchulainn dann enttäuscht du mich. Sie war bis vor kurzem noch ein Krüppel. Vergleiche mich mit ihr!" Verächtlich spukte sie das letzte Wort aus.
" Ich kann die Erholung, Freude und Entspannung vor deiner beschwerlichen Reise bieten. Lass sie bei mir, dann hab ich hier was zum spielen."
Unbehagen erfüllte Sam. Doch Cúchulainn lachte nur. "Oh Fee du bist sehr von dir überzeugt. Nun dann schau sie doch mal." Er deutete auf Sam.
" Glaubst du nur weil du halbnackt über dein Reich herrschst, ist Sam weniger schön? Wenn sie gebadet und ihr Haar gebürstet ist, ist sie dir ebenbürtig!"
Ein fast ungesunde rote Farbe breitet sich in Sam´s Gesicht aus. Verlegen schaute sie ihren Verehrer an. So hatte noch nie ein männliches Wesen über sie gesprochen. Sie selbst dachte von ihrem Körper seit ihrer Erkrankung schlecht, fühlte sich unvollkommen und abstoßend. Und nun ein Kompliment.
Der heutige Tag brachte ihr ein unglaubliches Wechselbad der Gefühle. Ein warme Welle der Zuneigung für Cúchulainn flutete durch ihren Leib. Doch auch Kadyaríel hatte ihre Gesichtfarbe verändert, allerdings mehr in grünliche und nicht aus Liebe, sonder vor Wut.
" Gut!", stieß sie heraus. "Dann hört die Instruktionen, die ich euch geben soll."
" Dies Schwert und die Rüstung gehört euch Cúchulainn. Mit einem mehrstimmigen Summton erschienen mit hölzernen Nieten beschlagene Arm- und Beinschoner aus braunem, gehärtetem Leder. Eine hirschledernes Wams, mit einer Vielzahl vom Runensymbolen verziert, manifestierte sich auf der Wiese. Cúchulainn begann sofort die Sachen anzulegen. Sein Jeans wirkten störend auf das Gesamtbild und mit einem weiteren musikalischem Accord der Stimme der Fee verwandelten sich seine Beinkleider in Lederleggins und Sportschuhe in feine, handgenähte Schaftstiefel.
" Es wurde mir aufgetragen dir diese Waffe zu übergeben." Im Gras erschienen ein blitzender eiserner Dolch, verziert mit Runen auf der Klinge, ein mittleres Schwert, ebenfalls graviert und ein Bogen mit einem Köcher voller Pfeile. "Benutzt die Peile mit Bedacht!"
Kadyaríel nahm den Köcher auf und gab ihn Cúchulainn. "Ihr wisst warum?"
" Oh ja, Es ist ein wertvolles Geschenk und ein Gefährliches!" Cúchulainn legte sich alle Waffen an. Sam stand daneben und sah hilflos zu. Sie fühlte sich überflüssig und dies brachte ihren Magen in Aufruhr.
" Ach ja, was machen wir denn mir dir?", wandte sich Kadyaríel ihr zu. Nach eine Hand Bewegung und der Andeutung eines Tones aus dem Mund der Fee verwandelte sich ihre Sachen in ein grobes, erdfarbenes Leinenkleid und ein dunkelblaues Kopftuch. Die Schuhe wurden zu bequemen Holzschuhen. Sam stellte fest, das sie nicht einmal mehr Unterwäsche an hatte und das das grobe Tuch entsetzlich kratzte.
" Ja so gefällt sie mir schon besser. Sie ist halt eine Bäuerin. Darin fühlst du dich doch wohl drin oder?", fragte die Fee spöttisch.
" Kadyaríel!", schritt Cúchulainn nun ein. "Ich denke, wir haben eine lange Reise vor uns. Sie braucht auch Leder." Missmutig summte Kadyaríel und auch Sam war daraufhin in Leder gekleidet (allerdings immer noch ohne Unterwäsche).
" Aber baden wollten wir euch noch...", schmunzelte sie gehässig.
Ein heller Laut aus der Kehle der Fee und ein unsichtbarer Stoß gegen ihren Brustkorb hob Sam eine Handbreit in die Luft und schleuderte sie in einen sanften Bogen in das Becken des Wasserfalls. Die Kälte nahm ihr erst den Atem, aber als sie das Ufer wieder erreicht hatte, pumpte ihr Körper rasend schnell die Luft in die Lungen. Sie zitterte und wusste nicht, ob sie nun wütend oder traurig sein sollte, aber eins war sie gewiss, halb erfroren. Die Temperatur des Wassers betrug sicher nicht mehr als 10 Grad Celsius. Sam kauerte sich zusammen und setzte sich neben die schamlos grinsende Kadyaríel. Sie hatte sich vorgenommen nicht mehr auf die Provokationen der Fee zu reagieren.
" Zitterst du aus Angst vor mir?", fragte diese wieder spöttisch.
Cúchulainn unterband weiteren Gehässigkeiten.
" Genug jetzt! Wir haben Wichtigeres zu besprechen! Mach uns ein Feuer und dann erzähl uns den Grund unseres Hier seins." Er hatte sich, während er dies sprach, erhoben und ein paar Äste eingesammelt, allesamt nicht sehr trocken, so das es mehr rauchen als wärmen würde. Er stapelte das Holz auf und Kadyaríel entzündete es mit einem tiefen summenden Ton.
" Gut.", sprach die Fee leise und angespannt.
" Es ist viel passiert, Cúchulainn, seit ihr von Morrígan verbannt wurdet.
Ich hoffe, es ist euch gut ergangen in der Fremde. Hier ist viel Schlimmes passiert. Schon oft geschah es, das sich die Fürsten Mag da Chéo´s bekriegten, doch immer wieder versiegten diese Geplänkel in dem Lauf der Zeiten. Niemand konnte alle Fürstentümer beherrschen und alle zu vereinigen ebenso wenig. So war es seit Anbeginn der Ebene der zwei Nebel.
Ellén, diese grässliche, dreiköpfige Ungeheuer vor vielen, vielen Jahrhunderten von Fionn getötet worden. Oft war es als Waffe gegen Irland eingesetzt worden, hat Tod und Verwüstung den Fürsten der Anderswelt gebracht. Seine Asche aber sammelte Morrígan ein und heimlich begann sie an ihrem eigenen Reich zu arbeiten. Sie schuf sich eine Armee von Ungeheuern. Jahrhundertlang saß sie in Cruachan und dachte nur an Rache für die Abweisung, dir ihr erteiltet. Aller Welt hatte sie von euren Tod erzählt und euch dabei nur verbannen können, in die Welt der Lebenden." Sie hielt kurz inne und blickte ihn an.
" Cúchulainn, ist euch bewusst, wie lange ihr fort wart?"
" Nein, ich habe keine Erinnerung mehr an das, was geschah, als ich in die Welt der Lebenden verbracht wurde."
" Es sind über zweitausend Jahre vergangen, die ihr dort gelebt habt.
Morrígan hoffte wohl, ihr wäret sterblich, aber Aed hielt seine Hand über euch. Er hielt die Göttin zurück, Schlimmeres zu tun. Doch auch seinen Macht wurde gebrochen." Kadyaríel starrte, während sie erzählte, fast die ganze Zeit ins Feuer, ohne den Blick länger abzuwenden. Sam sah den Schein der Flammen in den großen, blauen Augen tanzen. Langsam schlich sich die Dunkelheit an diesen idyllischen Ort, verdrängten Schatten die sonnigen Flecken und dir Kühle senkte sich wir eine Decke über die Drei. Sam zitterte oder besser gesagt wieder, denn ihre Kleider waren am warmen Feuer getrocknet, aber die Nacht legte sich auf ihrem Rücken, wie ein kühles, nasses Betttuch.
" Was wird von mir erwartet?" Cúchulainn hatte sich erhoben und schritt nachdenklich im Kreis um die Feuerstelle.
" Wer hat mich zurückgeholt? Aed hätte die Macht, aber er wäre zu meiner Begrüßung selber erschienen."
" Bé Find, die weiße Göttin beauftragte mich. Sie hätte es sich nicht nehmen lassen euch willkommen zu heißen, aber es sind schwere Zeiten in Andersland. Aed ist verschollen und seine Gattin, Bé Find, befürchtet, dass Morrígan ihre Finger im Spiel hat. Darum wollte sie die gefährliche Reise nicht unternehmen. Es wimmelt im Land von der Geschöpfen dieser bösen Frau."
" Aed ist verschwunden?", Cúchulainn sah Kadyaríel ungläubig an. "Wer verfügt über solche Macht den Herrscher der Götter, den Gott des Blitzes und des Donners, zu bedrängen, ja ihn gar verschwinden zu lassen." Er blieb abrupt stehen und legte seiner Gesprächspartnerin die Hand auf die Schulter.
" Ist er verbannt? In die Welt der Lebenden?"
" Ach.." Die Fee wiegte traurig den Kopf ihn und her. "Wenn wir es nur wüssten!" Sie seufzte.
" Viele von uns haben Nachforschungen angestellt und wir vermuten ihn dort.
Es gab eine mächtige magische Zeremonie und mehrere der Fürsten Mag da Chéo´s taten sich zusammen, um zu rebellieren. Schon seit Anbeginn von Mag da Chéo´s bekriegten sich die Fürsten. Nun taten sich fünf von ihnen zusammen, um alles unter sich zu teilen. Doch Aed stand ihnen im Weg. Nie hätte er diese Verschwörung geduldet, also lies man ihn verschwinden. Wir vermuten ihn in der Welt der Lebenden. Doch wer, außer euch kann ihn zurück holen? Ohne seinen Einfluss werden wir kaum einen der kleinern Fürsten bewegen können, sich auf unsere Seite zu schlagen. Diese Feiglinge unterstützen immer den vermeintlich Stärkeren." Cúchulainn hatte sich wieder gesetzt.
" Morrígan hat den Kessel.." Kadyaríel stieß die Worte hervor, als ob sie ihr Schmerzen bereiten würden.
" Nur mit seiner Macht bekommen wir Aed wieder zurück, damit er uns führen kann." Sam konnte nicht mehr länger an sich halten.
" Kessel? Was für einen Kessel? Phil woher kennst du das alles, wo du doch eben noch mein Physiotherapeut warst, mich von ein paar Stunden noch küssen wolltest und nun auf einmal ein halber Gott im so einem Totenreich, mit Ungeheuren, Feen und wieso bin ich hier, muss mich demütigen lassen von einer wildfremden Frau? Was ist deine Rolle in diesem Stück und was meine? Ich gehöre hier nicht her!" Da Gesicht von Kadyaríel verzog sich wieder.
" Du glaubst, es hat keinen Sinn, das du hier bist? Oh doch!", fuhr sie sie an. "Ohne eine Vorbestimmung wärst du nicht hier, aber ich kann nicht wissen, welche Rolle dir zugedacht ist. Vielleicht Cúchulainn in den kühlen Nächten zu wärmen?" Cúchulainn legt seine Hand auf die Schulter der Fee um sie zu beruhigen. "Woher soll sie es wissen? Ich erkläre ihr, soweit ich es weis." Er schaute Sam in die Augen, die sich mit Wasser gefüllt hatten, sich nun leerten und senkrechte, aber keine geraden Striche in ihr Antlitz malten.
" Ich war..."
" Er ist!", fiel ihm Kadyaríel ins Wort. Cúchulainn lächelte.
" war.. ein berühmter Held, bestritt viele Kämpfe, aber eine Kampf verlor ich. Eben jene besagte und nun gefürchtete Morrígan bot mir, einem Sterblichen, an, ihr Lager zu teilen. Ich lehnte ab und würde es wieder tun, zu grausam waren alle ihre Taten. Aus Rache für meine Ablehnung schwor sie ewige Feindschaft. Sie nahm mir mein Gedächtnis und verbannte mich, der sich frei zwischen Mag da Chéo und der Welt der Lebenden bewegen konnte von hier. So lebte ich ein ewiges Leben, ohne zu ahnen, wer ich wirklich war. Sam rutschte unruhig hin und her. "Wie lange ist dies her? Ich meine ich kann es kaum glauben, denn ich kenne dich schon viele Jahre."
" Ach Sam, dies ist vor langer Zeit gewesen. Ich kann nicht altern. So ich doch ein Sohn von Göttern bin, aber sehr wohl kann ich sterben."
" Ich dachte man kann hier nicht sterben...im Totenreich, weil man schon tot ist."
" Man kann durchaus getötet werden. Aber nur durch ein Element. Die Wirkung der Zauber basiert immer auf einem der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Nur das letztere kann uns so vernichten, das uns keine Macht der Welt zurückzuholen vermag." Sam wiegte den Kopf. "Dieser Kessel, was hat es damit auf sich?"
" Dieser Kessel, ach, das Morrígan ihn hat, erfüllt mich mit größter Sorge.
Dieses Gefäß verleiht seinem Besitzer unheimliche, magische Macht. Durch ihn kann man dunkle Kreaturen erschaffen, Tote lebendig machen oder auch Götter in die Welt der Lebenden verbannen. Morrígan wird ihn benutzen ihre Macht auszudehnen. Sie erhält zwar Unterstützung von anderen Göttern, doch auch diese könnten sich zusammen schließen und Morrígan versuchen zu vernichten. Sie wird gezwungen sein, eine Armee ihrer Geschöpfe aufzustellen, um ihre Verbündeten auszuschalten. Dies beschäftigt sie eine Weile. Eines Tages vollendet sie ihr Werk und wenn wir dann nicht gewappnet sind, haben wir auf lange Zeit keine Möglichkeit mehr, ihr wirksam entgegen zu treten. Sam glaub mir, Morrígan wird mit Angst und Schrecken herrschen und das fröhlich Lied in Mag Mell, der Welt der Freuden, wird sich in eine schwermütige Weise verwandeln."
Kadyaríel hatte schweigend zu gehört und nickte zustimmend.
" Cúchulainn hat recht, es ist bitter dies als eine der mächtigste Feen Mag da Chéo´s sagen zu müssen. Unsere Chancen sind sehr schlecht. Cúchulainn sucht Nemain in Tír na mBan, der Insel der Frauen, auf und überzeugt sie, sich unserer Sache anzuschließen."
" Ha.." Cúchulainn war aufgesprungen und hieb mit einen Streich seines Schwertes einen unsichtbaren Gegner in zwei Hälften.
" Nemain, den Rausch des Krieges. Sie ist ein äußerst wehrhafte Göttin und sie regiert jetzt das Land der Frauen? Oh ich bin gespannt, was mich dort erwarten wird. Ich kämpfte einst gegen sie und verlor. Damals trieb ich meine Männer mit einem Schlachtruf vorwärts in den Kampf, der ihre Kräfte vervielfachte und den Feinden Angst. Doch Nemain antwortete mit einem Schrei, dem Rausch des Krieges, der ihrer Krieger in Raserei versetzte und ihnen unmenschliche Fähigkeiten verlieh. Ihr soll ich nach langer Zeit gegenüber treten und sie bitten, an meine Seite zu treten? Es ist unmöglich, was ihr verlangt."
Während er seine Worte sprach, hielt er die Luft mit dem Schwert in Bewegung. Seine Anspannung stand ihn ins Gesicht geschrieben. Die Adern und Sehnen am Hals traten deutlich hervor und die Kaumuskeln huschten in den Pausen in seinem Gesicht hin und her.
" Es ist die naheliegenste Möglichkeit und sollte es nicht gelingen, sie vom unsere Sache zu überzeugen, so könnt ihr vielleicht erfahren, wohin man Aed geschickt hat, wie er heißt und aussieht in der Welt der Lebenden." Cúchulainn lies sein Schwert sinken und blickte auf Kadyaríel hinab.
" Glaubst du wirklich, ich könnte nach Tír na mBan reiten und Nemain sagen, hallo wie geht's, machst du mit gegen Morrígan? Wäre echt nett von dir...Oh nein...Man wird mich an den Grenzen der Insel schon gebührend empfangen, wenn ich mit meinen Kriegern erscheine.." Kadyaríel strich sich verlegen das lange Haar aus der Stirn.
" Ich habe keine Armee zur Verfügung? Wie soll ich die Grenzen nach Tír na mBan überwinden mit einer Handvoll Männer?"
Kadyaríel sah ihn immer noch schuldbewusst an. "Cúchulainn versteh doch.
Du musst heimlich auf die Insel der Frauen, die Macht von Nemain ist zu groß, als das wir ein Heer an Kriegern und Kreaturen ausheben könnten, das stark genug wäre, die Insel zu erobern. Misstrauen herrscht in unseren Ländern, niemandem wird vertraut und auch dir wird man nachsagen, es gelüste dir nach Macht, wenn du mit einer Armee nach Tír na mBan unterwegs wärst. Nur in persönlichen Gespräch mit Nemain kann es dir gelingen, sie zu überzeugen."
" Zweikampf wäre das treffendere Wort für diese Unterhaltung.", erwiderte er bitter. Abschätzend neigte die Fee den Kopf und blickte Cúchulainn fest in die Augen. "Auch dafür musst du gerüstet sein."
" Sieh!" Durch eine kurze Folge gesummter Töne erschien vor Cúchulainn in der Luft eine Speer.
" Gae Bulga, meine Lieblingswaffe, lange habe ich sei ihn nicht mehr in der Hand gehalten." Cúchulainn steckte sein Schwert in die Scheide und griff den Speer aus die Luft. "Doch was nützt mir so etwas gegen einen unsterblichen Gott?"
" Nicht so voreilig Cúchulainn...Viele unsere zauberkundigen Helfer haben eurer Waffe eine Macht angedeihen lassen, die sie zum mächtigsten Kriegswerkzeug Mag da Chéo´s macht. Probier es aus, aber sei vorsichtig.
Cúchulainn hob Gae Bulga hoch ich den dunklen Abendhimmel. Mit einem schnellen Dreh am Griff entfaltete sich urplötzlich und ruckartig die Spitze zu einem Kranz scharfer und spitzer Krallen mit Widerhaken. Das metallische Geräusch war noch nicht verklungen, als die Spitze zu glühen begann. Erst rot und zum Schluss weiß wie die Sonne. Die Explosion war von der Lichtintensität mit dem strahlendem Himmelskörper vergleichbar. Sam tanzten Flecken von den Augen. Die Hitze erreichte sie nur Sekundenbruchteile später. Der Donner erzeugte ein unangenehmes Gefühl im Bauchraum.
" Damit kannst du sogar einen Gott vernichten." Kadyaríel sah traurig aus.
" Soweit sind wir gekommen, das wir uns gegenseitig vernichten wollen." Cúchulainn rammte den Speer in den Boden.
" Doch genug geredet. Die Zeit rinnt uns durch die Finger. Es ist die wahrscheinlichste Variante die Anderwelt zu befreien. Wenn ich gegen Nemain kämpfen muss, dann soll es so sein." Entschlossen rückte er seine Rüstung zurecht.
" Wie werden wir Tír na mBan erreichen?" Kadyaríel erhob sich ebenfalls.
" Wird uns Manannán mac Lir, der Gott des Meeres die Fahrt über sein Reich verweigern?"
" Davon gehe ich nicht aus. Er war immer neutral und hat sich auch diesmal aus sämtlichen Streitereien heraus gehalten. Unterstützung dürfen wir von ihm nicht erwarten. Er ist launisch und könnte uns Schwierigkeiten machen, wenn er der Meinung ist, wir stören ihn." Cúchulainn nickte zustimmend. "Woher bekommen wir ein Schiff?"
" Auch daran ist gedacht worden. Es ankert direkt vor der Küste. Seine Besatzung sind ausgesuchte Krieger des Aed, erfahrene Kämpfer. Allerdings begleiten sie euch nur bis vor die Küste Tír na mBan´s. Dort werden sie euch wieder aufnehmen, wenn ihr zurückkehrt von eurer Mission."
Sam stand nun auch auf. "Moment mal. Ihr sprecht immer von IHR...meint ihr nun Phillip in der dritten Person oder seid ihr etwa der Meinung, ich würde mitgehen? Oh da habt ihr euch aber geschnitten. Schiffsreisen waren noch nie mein Ding. Jedes Mal hab ich mich halbtot gekotzt. Nein...nein.
Nie und nimmer bekommt ihr mich darauf.." Cúchulainn unterbrach ihren Redefluss.
" Sam, ich glaube nicht, das du unbedingt die Reise mit mir.." Jetzt unterbrach Kadyaríel ihn.
" Ich bin überzeugt, das sie mit dir reisen sollte. Warum ist sie sonst hier? Es gibt einen Grund für ihre Anwesenheit!" Sie streichelte Sam, die sich angewidert nach hinten lehnte, sanft über die Wange.
" und glaub mir...halbtot an Bord eines Schiffes ist besser für dich, als hier mit mir zurückzubleiben.." Dabei lächelte schelmisch und erzeugte in Sam´s Magen ein unheimliches und übelerregendes Gefühl.
" Aber Phil..." "Er heißt Cúchulainn!", herrschte Kadyaríel Sam an, woraufhin die den Kopf einzog, wie bei Erwartung eines Schlages.
" Cúchulainn eben, was ist deine Meinung?", flehend hatte sie seine linke Hand ergriffen.
" Ich glaube Kadyaríel hat recht. Zurück kannst du nicht, jedenfalls nicht durch unsere Macht. Nur Aed oder Morrígan wären im Besitz von derartigen Kräfte, um dir dein Leben wiederzugeben."
" Aber ich bin doch nicht tot.."
" Doch...das bist du hier." Cúchulainn lächelte. "Und es gar nicht so schlecht oder? Fühl doch nur deinen Körper. Er hat sich aller Krankheiten entledigt. Begleite mich auf meiner Mission. Es wird vielleicht gut sein mit einer Frau im Land der Frauen zu reisen. Wer weiß. Möglicherweise rettest du mir sogar das Leben."
Das er die letzte Äußerung nicht ernst gemeint hatte, ärgerte Sam, aber zugleich spornte sie dies auch an, ihn zu begleiten. Die Aussicht in ihren gelähmten Körper zurückzukehren übte eine große Überzeugungskraft, Phil oder, na ja, Cúchulainn zu helfen. Vielleicht war sie ja wirklich nützlich in so einem Frauenland. In ihrer Phantasie stellte sie sich vor, das die komplette Rollen vertauscht wären. Das weibliche Geschlecht dominierte und die Männer wären an den Herd verbannt. Frauen regierten und setzten ihre Interessen durch. Gleichzeitig mit dieser Vorstellung stellte sich die Erkenntnis ein, dass sich dann die Frauen genauso schlecht verhalten würden, wie die Männer heute. Eine solche Gesellschaft, schien es ihr, sei nur auf Rache an den Männer aufgebaut. Cúchulainn wartete immer noch auf eine Antwort und blickte gebannt auf Sam´s Mienenspiel.
" Gut..", stieß sie hervor. "Ich unterstütze dich...mir ist jetzt schon schlecht, wenn ich an das Schiff denke." Erleichtert drehte sich Cúchulainn zu der Fee um.
" Dann bringt uns zum Schiff." Sanft berührte er die Hand Kadyaríel´s.
Diese ergriff schroff Sam´s Unterarm. Der Nebel um sie herum verdichtete sich, das Feuer verblasste und Sekunden später ertönte das Rauschen des Meeres. Hart schlugen die Wellen gegen die Felsen.
" Dort ist euer Boot, welches euch nach Tír na mBan bringt." Der Schattenriss eines Schiffes war auszumachen. Der Mast ragte hoch in die Luft, leise war das Knattern der Segel zu hören.
" Die Krieger erwarten euch. Die Flut beginnt in zwei Stunden." Aus dem Dunklen näherten sich Schritte im knirschenden Kies des Strandes.
Cúchulainn legte seine Hände in die der Fee und blickte ihr in die Augen.
" Dank für die Erinnerung an mein wahres Leben. Du musstest lange Warten auf diesen Tag und nun ist er so schnell wieder vergangen." Ruppig entwand Kadyaríel ihre Hände Cúchulainn´s Griff und drehte sich von den beiden weg. "Ja, ja... geht jetzt.." Die Worte sprach sie mit erstickter Stimme.
Sie versuchte den Tränenschleier wegzublinzeln. In diesem Moment fühlte Sam fast Mitleid mit den göttlichen Wesen. Sie wandte sich ab, um die beiden bei ihrem Abschied nicht zu stören. Das Wesen, welchem Sam in diesem Moment gegenüberstand, war wohl das Schrecklichste, was sie in ihrem Leben gesehen hatte. Den Mund weit geöffnet, schrie sie ihre Überraschung und den Schreck aus sich hinaus. Die Augen des Wesen waren entfernt worden, aber auf ein brutale Art und Weise, so das noch Teile des Sehnervs aus den Höhlen hingen. Die schmerzhafte Prozedur schien schon ein Weile her zu sein, denn die trockenen Enden flatterten im Wind. Überhaupt wirkte sein Antlitz vollkommen verbrannt. Als Lippen konnte man nur noch verkohlte. schwarze Linien erkennen, aber die Zähne sehen noch gut erhalten aus, wobei einige fehlten. Diese Lippenlosigkeit verlieh ihm ein unglaubliches und übelerregendes Lächeln. Sam hatte sich für männlich entschieden, da die primären Geschlechtsmerkmale eine Frau fehlten und das Gesicht nun beim Willen nicht mehr als Entscheidungskriterium dienen konnte.
Dieses Wesen hatte ungefähr ihre Größe, war bekleidet mit wetterfester Lederbekleidung, die auch schon bessere Tage gesehen hatte. Die meisten der Löcher und Einschnitte waren bestimmt tödlich gewesen. Es legte den Kopf auf die Seite, als Reaktion auf Sam´s Schrei. Kleine Speichelpartikel flogen aus ihrem Mund in das rudimentäre Gesicht ihres Gegenüber, was Sam peinlich war und sie dazu brachte den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.
Hinter ihr lachte Kadyaríel lauthals über Sam. Sie nutzte die Gelegenheit, die Tränen der Trauer als Freudentränen über Sam´s Erschrecken umzumünzen.


 

 

 

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