Hsün Tse
"Nun ist der Mensch seiner ursprünglichen Natur nach tatsächlich
nicht im Besitz
Regeln des richtigen Verhaltens und der Gerechtigkeit; darum strebt er
danach,
lernen, und sucht, sie zu gewinnen.... der Weise hat die gleiche ursprüngliche
Natur wie jedermann und ist darin gewöhnlichen Menschen nicht unterschieden; er unterscheidet sich
von diesen über sie hinaus durch seine erworbene Kultur....
Jemand könnte einwerfen:
Der Weise erreicht seinen Stand durch gesteigertes Bemühen, aber
nicht jeder vermag, seine Bemühungen zu steigern; warum? Ich
jeder hat die Fähigkeit, aber er wendet sie nicht an. Jeder kleine
Geist ist imstande, hoher Geist zu werden, aber er ist nicht bereit dazu" (Hsün-tse,
S. 109 ff)
"
Der Mensch ist schlecht!" Dies ist kurz und bündig die Auffassung
des Hsün Tse (auch Xun Zi) (355 - 288) [und, wie ich stark annehme,
die Reaktion auf die Lehre des Mencius.] Das Gute am Menschen ist künstlich.
Der Mensch hat von Natur aus das Begehren nach Nutzen, die verschiedensten
Bedürfnisse. Läßt man diesen freien Lauf, dann entstehen
Zank und Streit, Unordnung und Unzucht. Nur die Erziehung bringt Sitte,
Recht und Freundlichkeit hervor.
[Das naive Menschenbild des Mencius brachte die schroffe Ablehnung durch
Hsün Tse geradezu zwangsläufig hervor. Die Wahrheit liegt wohl
wie so oft irgendwo in der Mitte!]
Naturbeherrschung: Hsün Tse forderte die tätige Beherrschung
der Natur.
Hsün Tses Theorien erinnern stark an Thomas Hobbes.
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