Zapfendünkel
Huptus Von
Title: Besinnungslose Poesie
Die traurige Ballade
vom retrobaren Schrägograd
und seiner treulosen Freundin Lisa Blumenkohl
Der retrograde Schrägobar
Schwang heftig, wie er häufig war.
Von unten rechts nach oben links.
Erst stockte er, auf einmal ging's.
Schlag IX ging Lisa aus dem Haus
Und traf, so gegen Mitternacht,
Am (r)Zopf der and'ren Seite ein.
Sie wartete drei Viertel lang,
Bis Schrägobar zum Dritten schwang
Und die Fontelle barscher sang.
Doch war der legoband zu klein,
Den sie im Schrumpfband mitgebracht.
So kam die ganze Sache raus.
Was Schrägobar mit Ärger sah!
Der Zapf
Der Zapf besteht aus Energie.
Er rastet heim und rostet nie.
Verschlagen streckt er das Geflieder,
Ob er sein Zäpfchen zirbeln höre
In der geschuppten Speiseröhre.
Dem Zapf gehört die Welten wieder.
Er schreitet aus und gibt sich Mühe,
Bereitet Lieder
Und schreitet ein in engen Zelten,
Wo seine Klima ahnen lagen
Und Leim aus ihren Knochen nagen.
Mitunter kreuzt den Zapf die Kehre,
Wo and're Selten seitlich liegen,
Sich ihre Hälse krumm verbiegen
Als fiele jemand in der Frühe
Des Wochenabends leer zum Fraße!
Ein wenig geht dem Zapf verloren.
Er ist zur Heiserkeit geboren
Und schlägt doch nicht nach jedem Maße.
Das Lied von der Pizza
Variation über die "Glocke" von Friedrich Schiller - nachempfunden
und -gelitten von Huptus von Zapfendünkel. Wer das Original nicht
auswendig kennt, sollte:
sich schämen und
sich auf schnellstem Weg Schillers vergammelte Werke besorgen!
1
Fest verhaftet auf dem Herde
Liegt die Form, aus Blech gemacht.
Auf daß heut' die Pizza werde!
Gäste kommen spät zur Nacht.
Auf des Randes Steig
Glänzen muß der Teig,
Soll das Werk die Köchin loben;
Doch die Mischung kommt von oben.
Zum Werke, das wir heiß bereiten,
Geziemt sich wohl ein weiches Ei;
Wenn Salz und Pfeffer es begleiten,
Dann wird es gar ein feiner Brei.
So laßt uns jetzt mit Fleiße kneten,
Was uns die schwache Kraft erlaubt;
Erst wird dem Zopfe, dem gedrehten,
Per Nudelholz die Form geraubt.
Das ist's ja, was die Köchin zieret,
Zu tun, wie es im Kochbuch stand,
Daß man hernach auch schnabulieret,
Was sie erschuf mit kund'ger Hand.
2
Nehmet Mehl vom Weizenstamme.
Stäubt das Backwerk trefflich ein,
Daß des Herdes heiße Flamme
Brennt kein schwarzes Loch hinein.
Noch ein gelbes Ei!
Schnell, die Milch herbei!
Daß die zähe Knetteigspeise
Fließe in der rechten Weise!
Was in des Ofens Mittelschiene
Alsbald mit Feuers Hilfe bäckt,
Es wird geprüft mit Kennermiene,
Alsdann behutsam abgeschmeckt.
Vollendet wird's zu später Stunde,
Füllt ach so mancher Lieben Bauch,
Und nach des Mahles trauter Runde
Kommt die Verdauung sicher auch.
Was droben auf der Zungenspitze
Zu sinnlichem Genuß gereicht,
Formt unten an intimer Ritze
Den hohlen Ton, der fluchs entweicht.
3
Das, was des Magens tiefe Grube
Doch eigentlich schon längst verdaut,
Füllt dann als Duft die gute Stube
Und wird zudem vor Zeugen laut.
Ein solches Sakrileg zu wagen,
Erzürnt so mancher Menschen Ohr;
Hilft auch kein Lüften und kein Klagen,
So hebt sich der Entrüstung Chor.
Weiße Blasen seh' ich springen;
Wohl! Der Teig ist gut im Fluß.
Laßt mit Hefe ihn durchdringen,
Daß er trefflich quellen muß.
Edel, frisch und rein
Muß die Hefe sein,
Daß der hohle Leib, der pralle,
Endlich nicht zusammenfalle.
4
Denn auch des Randes braune Feste
Erfreut stets das Genießerherz.
Wen sorgen schon die Speisereste
Im Zahn - erst später kommt der Schmerz.
Dann, wenn der Zahnschmelz langsam splittert,
Das Zahnfleisch sich in Falten knittert,
Die Fäulnis an der Wurzel naget,
Und auch der Schlaf den Trost versaget,
Dann kommt die Reu', es bangt das Herz.
Vom Tische los reißt es den Armen.
Das Haupthaar sträubt sich voller Graus.
So hilft ihm doch kein Weh und Barmen,
Der Backenzahn, er muß heraus.
Und teuflisch, wie ihr Unterfangen,
Gleich einem Bild aus Höllenstahl,
Sieht er den Zahnarzt und die Zangen;
Was folgt, gedeiht erst recht zur Qual.
Es reißt und bohret in den Zähnen;
Er bäumt sich auf, versucht zu fliehn.
Aus seinen Augen brechen Tränen
Und aus der Blase der Urin.
Doch naht das Ende, nicht viel später,
Noch krallt die Hand am Stuhle fest,
Zeigt man ihm stolz den Übeltäter;
Ein fester Ruck vollbracht den Rest.
Bald kaut ein Stift aus edlen Stoffen;
Der dritten Zähne gold'ne Zeit!
Dem Gaumen steht der Himmel offen,
Es schwelgt der Bauch in Seligkeit.
Ach, daß stets so verlockend bliebe,
Der frische Duft der Kräutertriebe!
5
Wie sich schon die Ränder bräunen!
Mit der Gabel stech' ich ein,
Wird der Käse glasig scheinen,
Mag's zu Tische zeitig sein.
Jetzt, oh Köchin, frisch!
Prüf' mir dein Gemisch,
Ob der Boden mit dem Weichen
Sich vereint zum guten Zeichen.
Denn wo das Harte mit dem Zarten,
Wo Scharfes sich und Zähes paarten,
Entstehet ein gesunder Drang.
Drum prüfe, wer die Speise bindet,
ob sich kein Haar im Teige findet!
Das Mahl ist kurz, die Reu' ist lang.
Schau, die zarten Artischocken
Ziert verspielt ein Kapernkranz,
Manchen fetten Thunfischbrocken
Birgt des frischen Goudas Glanz!
Ach! der Köchin schönste Fabel
Endigt just die Schlemmerei,
Mit dem Messer, mit der Gabel
Reißt der schöne Wahn entzwei.
6
Die Käseschicht flieht,
Der Boden muß halten;
So fest wie Granit,
Bis Zähne ihn spalten.
Das Mahl muß hinein
In hungrige Mägen,
Muß munden und regen
Und füllen und pfropfen,
Umhüllen, verstopfen,
Muß stillen und nähren,
Des Hungers erwehren.
Da ströhmet herbei eine wohlige Sattheit,
Es legt sich der Magen in all seiner Mattheit,
Das Beinkleid wird lästig, der Gürtel schnürt ein.
Und drinnen waltet
Die tüchtige Leber,
Die Galle nicht minder,
Und spaltet weise
Zu fettige Speise,
Und reinigt die Venen
Und wehret den Schnäppsen,
Und wandelt die Ketten
Von Eiweiß zu Fetten,
Und mehrt den Gewinn
Im chemischen Sinn,
Und scheidet mit Umsicht organische Welten,
Und murret nur selten.
7
Und der Gourmet mit sattem Blick
Ü
ber des Bauches weitreichenden Hügel
Zählet sein Kalorienglück,
Fühlt der Hüfte gepolsterte Wellen,
Und des Gesäßes schwammige Stellen,
Ü
berlegt, ob trotz drohender Häme
Er einen Nachschlag zu sich nähme.
Und trotzt mit vollem Mund:
Zum Fasten ist kein Grund,
Gegen der Schwerkraft Macht
Steht mir der Beine Pracht. -
Doch sind die Naturgewalten
Durch Speis und Trank nicht aufzuhalten,
Und der Infarkt, er schreitet schnell.
Wohl! Bald kann das Mahl beginnen;
Was noch fehlet ist der Wein.
Doch bevor wir's lassen rinnen,
Stimmet in ein Trinklied ein!
Zieht den Korken raus!
Auf zum Gaumenschmaus!
Perlt der Wein in edlem Glase,
Füllt sich rasch des Kenners Blase.
8
Gar fraglich ist des Tellers Fracht,
Wenn sie der Koch nicht selbst gemacht,
Was er bereitet, was er schafft,
Kocht er zumeist im eig'nen Saft,
Doch furchtbar ist der Wirkung Kraft,
Wenn eine Zutat mangelhaft,
Genommen ward aus der Konserve,
Die lange lag schon in Reserve.
Wehe, wenn sie losgelassen,
Gährt es bald im Nährbestand,
Auf den Tellern in den Tassen,
Finden Keime Unterstand,
Kriegt man sie nicht mehr zu fassen,
mehren sie sich unerkannt.
Eingehüllt in schlechter Speise
Lauert das Bakterium,
Daß es auf bequeme Weise
Bald zu einem Wirte kumm.
Auf den Pilzen, den Tomaten,
Aber auch in den Salaten,
Weiß es seine wohlbekannten,
Infektiösen Artverwandten.
Da erscheint vor dem Buffet,
Ahnungslos, was ihm dort droht,
Schon der hungrige Gourmet,
Freut sich auf sein Abendbrot.
Ob des Kitzels unbedächtig,
Wählt er, was ihm unterbreitet;
Jenes scheint ihm nur zu prächtig,
Obendrein frisch zubereitet.
Voll Genuß läßt er sich munden,
Was er für bekömmlich hält,
So gelangt fatalerweise,
Was der Gast nicht mitbestellt,
In den Magen mit der Speise,
Geht dann leise auf die Reise
Zu des Darmes warmer Falte,
Daß es nicht so schnell erkalte,
Zieht dort heimlich seine Runden.
9
Wenn dann die Kokken
So recht frohlocken,
Und auch die Viren
Sich etablieren,
Dann bohret's und drücket,
Die Darmwand verrücket,
Quälend und plagend,
Erlösung versagend,
Hämmernd und klopfend,
Den Ausgang verstopfend,
Die Richtung verkehrend,
Sich redlich vermehrend,
Will drücken und schaffen,
Zersetzen und gären,
Die Kräfte hinraffen,
Die Ruhe verwehren.
Brodelnd steigt des Giftes Fäule
Durch des Darmes lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile;
Modrig, wie aus Teufelsrachen,
Wehen Dämpfe, Winde krachen,
Greise toben, Flüche tönen,
Kinder jammern, Mütter stöhnen,
Männer wimmern
Auf den Zimmern;
Alles rennet, rettet, flüchtet,
Ein WC wird nicht gesichtet,
Quälend ist des Stuhles Drang.
Doch der schrecklichste der Schrecken,
Ist des kranken Menschen Zwang,
Bitt're Medizin zu schmecken,
Faden Griesbrei aufzuschlecken,
Und das Müsli macht ihn bang.
10
Wo rohe Säfte sinnlos walten,
Da kann sich kein Genuß entfalten;
Kräutertees aus Löwenzahn
Muten kaum verlockend an.
Doch soll der Magen auferstehn,
Hat just der Gaumen nachzusehn,
Auf solche Art wird man gesund.
Ein süßer Trost ist ihm geblieben:
Er zählt die Kilos, seine Lieben,
Und sieh! Ihm fehlt kein teures Pfund.
Jetzo daß sie nicht vergare,
Holt das Werk mir aus dem Herd,
Daß sich endlich offenbare,
Was wir alle lang begehrt.
Wie vom Duft belebt
Sich die Stimmung hebt!
Frisch kreiert mit Meisterwissen,
Herzhaft sei ihr erster Bissen!
Seemannslied
Das Meer ist trist, das Meer ist grau,
Im Wasser treibt des Huptus' Frau.
Bei Kapstadt ging sie über Bord
Und treibt seitdem in einem fort.
Die Haut wird klamm und immer blasser,
Denn ringsherum ist nichts als Wasser.
Was nutzt ihr Nörgeln, was ihr Klagen,
Ihr Wunsch, den Huptus totzuschlagen?
In Almas Haupthaar spielt die Gischt,
Doch Huptus ist längst außer Sicht.
Wenn auch die Ärmchen rastlos winken,
Wird Almchen bald im Meer versinken.
Es nähert sich ein großer Hai.
Der Huptus setzt Kurs auf Hawaii.
Die Nymphe von Rhodos
Aus Rhodos' Fluten auf stieg eine blasse Nymphe.
Sie trug sonst nix, nur ein Paar lange Strymphe.
Da rätselten die Leute schwer:
Wo kommt denn diese Nymphe her?
Ob sie in Rhodos' Mittagshitze
Nicht in den langen Strymphen schwitze?
Die Neugier mochte noch so nagen,
Doch wagte niemand nachzufragen.
Im Sande nahm sie Platz, die Nymphe,
Entblößte sich der langen Strymphe,
Doch da am vollen Badestrand
Sie keine Unterhaltung fand,
Verließ sie bald des Sandes Gluten,
Verschwand beleidigt in den Fluten
Und ließ, zu eines Fischers Glück,
Das lange Strymphepaar zurück.
Zwei Variationen über die Galgenlieder mit einer artigen Verbeugung
vor Christian Morgenstern
I - II
DER TILOFANT
Der Tilofant ist heut' im Land
Und stampft, meist gänzlich unerkannt
Durch Hinterhof und Sachverstand.
Der Tilofant wälzt sich durch's Land.
Er ist, es ist ihm nicht mal peinlich,
Nicht allzu höflich noch allzu reinlich.
Ja, dieses Vieh stinkt wie die Pest
Und saugt sich gern an Glatzen fest.
Der Tilofant ist ganz extrem.
Viel schlimmer als das Nasobem!
DAS ZIRBELKIND
Es eilt wie kalter Wirbelwind
Durch Wald und Feld das Zirbelkind.
Mit seinem weißen Roeckchen
Zerknickt es spröde Stöckchen
Und bricht die dürren Aehren,
Die können sich nicht wehren.
Es kriecht durch Ritzen, feilet Spitzen,
Ebnet Kanten, Tilofanten
Fliehen, wenn es näherrückt!
Durch Feld und Wald eilt wie der Wind,
Als kalter Hauch das Zirbelkind.
Kurze Ode an eine tote Grille
Da liegst du nun, du grünes Tier,
Steifkalt und töricht auf dem Rücken,
Streckst alle Sechse weit von dir.
Nein, sicher nicht aus freien Stücken.
Wie war deine letzte Speise,
Klangen deine letzten Laute?
Warst du rüstig oder greise,
Als dein letzter Morgen graute?
Wer wird dein Gedenken pflegen,
Deine Grilleneier hegen,
Wenn durch rohe Wasserkraft
Das, was nicht mehr zirpt und hüpft,
Achtlos in den Abfluß schlüpft?
Für Ulrich Haberland
Von Haberland, mir unverwandt:
Ich hätt' so gern geschworen,
Dich gekannt zu haben, unverfroren.
Nun hockst Du steif im Sachverstand
Und nagst an meinen Ohren.
Peinliche Prosa
Sie hören: "Die Kotzschau", Neues aus der Welt des Profitrinkens
Heute: Live vom Halbfinale der Sturztrinker
Liebe Äthanolfreunde und Äthanolfreundinnen!
Wie jeden Sauftag um die gewohnte Zeit hören Sie eine Reportage
vom Bundesliga-Durstqualspiel in der Absturzrunde des Humpen-Lallfinales.
Faßgeber ist der SC LEBERGAU, der gegen KNATSCHBLAU TEQUILA einen
schweren Stand haben wird. Aber hören Sie selbst. Am Flachmann für
Sie: heute wieder Ihr allseits bekannter und beliebter M.M. Asbach.
Wir gießen uns in die zweite Halbzeit des Sturztrinkens ein. Die
bisher recht spannende Begegnung steht immer noch Gin zu Rum, obwohl
der Vorkipper der Gäste bereits einige Male in arge Bedrängnis
geriet.
Das Stadium ist bis auf den letzten Kotz abgefüllt; unter den Ehrengästen
liegen der Präsident des Gastgebers, Johnny Walker, und seine Gattin,
die in der gesamten Liga für Ihre deliziösen Rollmöpse
bekannt ist.
Gerade läuft ein Konter der Gäste über den linken Thekenflügel
auf das Faß des SC LEBERGAU zu. Guinness, der irische Einwanderer
mit der Nummer 10, der erst letzte Saison von FORTUNA WAMPE für
eine nichtgenannte Menge Maltwhiskey abgeworben wurde, beweist seine
Standfestigkeit. Virtuos hält er das Glas, kippt fast den gesamten
linken Flügel und gibt erst im letzten Moment an Wicküler ab,
der in der vorigen Halbzeit für den angeschlagenen Küppers
eingewechselt wurde. Der jedoch läßt das Glas .... ja was
ist denn das ??? .... kurz vor dem Zapfhahn fallen. Nein, so eine Chance
zu vergeben, das darf einem Profikipper einfach nicht passieren! Wir
schauen hinüber zur Trainerbank: ... ja, der Trainer macht wirre
Handzeichen zur Bedienung. Will er jetzt schon zahlen? Nein, ich denke,
Wicküler wird wohl bei der nächsten Gelegenheit ausgenüchtert
werden.
Und schon läuft der Angriff der Faßgeber. Über die Mitte,
wo Jägermeister, souveräner Dirilant des hinteren Thekenabschnitts
schon auf diese Chance gedürstet hat. Er schenkt seinen Kameraden
auf dem rechten Flügel so kräftig ein, daß es den Tequilanern
Hören und Sehen trübt und der Schiedswirt alle Hände voll
zu tun hat, die Deckel auseinanderzuhalten.
Da, ein gekonnt aufgesetzer Doppelkorn .... und noch einer auf ex ....,
da geht kein einziger Tropfen daneben. Underberg schwankt bereits kurz
vor dem gegnerischen Zapfhahn, hebt bedrohlich das Schnapsglas - er ist
für seinen gnadenlosen Schluck ja bekannt - und .... nein, da gleitet
er aus, er taumelt, kann sich gerade noch am Tresen festklammern aber
der Schluck ist in die Hose gegangen. Ein besonders heimtückisches
Voll? Wird der Schiedswirt auf einen Strafschluck entscheiden? Nein,
die Wiederholung zeigt es ganz deutlich: dieser Rülpsstoß von
Wacholder war völlig korrekt. Auch der Schiedskellner hat es wohl
so gesehen. Da hilft kein Prostetieren der Faßgeber. Er entscheidet
auf eine neue Runde.
Die Zuproster auf den Holzbänken der traditionsreichen Weinkurve
werden unruhig. Einzelne Trinksprüche wie "Geh doch zur Heilsarmee,
du Milkshake! " werden gegen den Schiedskellner laut. Unbezahlte
Bierdeckel fliegen auf das gekachelte Trinkfeld, das wegen seines hohen
Flüssigkeitsaufkommens ohnehin schwer begehbar ist. Muß das
Besäufnis etwa wegen ungünstiger Thekenverhältnisse abgebrochen
werden?
Nein, der Unbeschwipste berät sich kurz mit seinen Aushilfskellnern
und läßt dann erneut aufstoßen. Werden die Gäste
diese Chance nutzen können, obwohl die meisten ihrer Profikipper
bereits angeschlagen sind? Das Verletzungspech bei KNATSCHBLAU TEQUILA
ist in letzter Zeit ja schon beinahe trinksprüchlich. Obwohl die
meisten aktiven Säufer dieses Vereins nur durchschnittlich harte
Sachen kippen, hatten sie in der vergangenen Saison ungewöhnlich
viele Fälle von Leberzerrungen zu beklagen.
Im Moment merkt man davon nicht viel. Mit einem schulmäßigen
Anstich hat der Faßwart die Runde eröffnet und die schnellen
Säufer der ganz in blau gehaltenen Tequilaner schieben sich im mittleren
Thekenfeld gekonnt den Seidel zu. Nun bringt ein laaanger Schluck weit über
den Eichstrich hinaus fast bis zum letzten Drittel des Humpens die Abwehrtrinker
des SC LEBERGAU in arge Bedrängnis. Metaxa und Ouzo, die mit vielen
Vorschußsternen bedachten griechischen Abstauber gehen jetzt mit
nach vorne. Auch Sambuco Raki, der Extrinkerkönig der Vorsaison,
hält sich bereit. Gerade gelangt Raki durch einen taktisch klugen
Zwischenschluck von Metaxa in Glasbesitz und torkelt zielstrebig auf
das Faß des überraschten Gegners zu. Auf den Rängen der
Suffkurve grölen die Antrinker von KNATSCHBLAU TEQUILA ihre Vereinshymne: " Trinkt
sie unter'n Tisch! TEQUILA ist noch frisch!". V.S.O.P. Fähnchen
werden begeistert geschwenkt. Sogar Trainer Campari erwacht noch einmal
kurz aus seiner Agonie.
Raki gibt ab zu Ouzo, der sich anschickt, das Faß von hinten auszusaufen.
Und das scheint ihm auch zu gelingen! Kümmel, ist dieser Ouzo schnell! Über
die offenen Münder der beschwipsten Abwehr hinweg läßt
er es wie nichts die Kehle herunter laufen. Unglaublich, jetzt kippt
er zwischendurch sogar einen Feigling und erzwingt damit einen Freischluck.
Freischluck für KNATSCHBLAU TEQUILA! Das kann böse für
den Faßgeber ausgehen! Und da ist er schon: Steinjäger prostet
ihn in gekonnter Wacholdermanier auf ex an und ...
VOLL! VOLL! VOOOOOOLLLL!!!!
Ja, was sagt man dazu??? Steinjäger ist voll und das Faß ist
leer. Sauferän umgekippt ließ Steinjäger dem Faßwart
keine Chance! Das dürfte die Entscheidung sein: Wein zu Rum für
TEQUILA. Wer hätte das gedacht??? Die Trinker des SC LEBERGAU scheinen
wie umnebelt. Und da ist auch schon die Abrechnung. Aus, das Besäufnis
ist zuende; die Sensation ist perfekt, Kipper und Antrinker von KNATSCHBLAU
TEQUILA fallen sich weinselig und vor Freude torkelnd in die Arme.
TEQUILA gewinnt also knapp mit 3,5 Promille Vorsprung und der Favorit
SC LEBERGAU hat die Rechnung diesmal ohne den Wirt gemacht. Damit steht
der Verein überraschend in der Endausscheidung um den goldenen Humpen,
die am kommenden Sauftag stattfindet. Finalgegner von KNATSCHBLAU TEQUILA
wird dann DYNAMO TRESEN sein, eine erfahrene Mannschaft, die schon so
manchen Korn erfolgreich hinter die Binde gekippt hat.
Sie hörten einen Bericht vom Humpen-Halbfinale der Sturztrinker.
Es faselte unser Korrespondent M.M. Asbach. Wir danken Ihen fürs
Anstoßen und schwanken zurück ins Studio ...
Freischwebender Dilettantismus
Frühlingslied (volksdümlich, K-Dur (1))
Dralles, rotwangiges Mädel trägt vor:
Frühling, wann kommst du gekrochen
Aus deinem kalten Winterbett?
Wir haben dich deutlich gerochen.
Wir finden dich alle so nett.
Kräftiger Bursch in Trachtenhose stimmt ein:
Frühling, steh' auf, werde munter!
Gib kahlen Ästen frischen Saft!
Mach Feld, Wald und Wiesengrund bunter
Mit jugendlich blühender Kraft!
Alle im Chor, Zweige schwenkend:
Die Kirschen, bald steh'n sie in Blüte,
Die Mandeln, sie knospen wie wild.
Daß Väterchen Frost nicht mehr wüte,
Die Sonn' sie vor Schaden behüte,
Erwärme uns freundlich und mild.
Heinz Schenk kommt auf die Bühne mit einer Schubkarre voller Bembel
und verteilt sie ans Publikum.
(1)
Die Originalvertonung von Karl Ehrlich ging leider verloren, weil Ehrlich
während eines Streites mit Huptus um den Erlebnisreichtum der kleinen
Sekunde voller Wut das Manuskript mit den Zähnen zerriß und
roh verschlang.
Oh Tannenbaum (2)
Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
Du bist so klein, man sieht dich kaum.
Du streust nicht nur zur Weihnachtszeit
Die trock'nen Nadeln weit und breit.
Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
Du bist so kahl, man faßt es kaum.
Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum,
Du stehst so einsam rum im Raum.
Die spröden Ästchen bieten bald,
Den schweren Kugeln kaum noch Halt.
O Tannenbaum, oh Tannenbaum,
Du bist so dürr, man sieht dich kaum.
(2) nach einer traditionsreichen, weihnachtlichen Festweise
Welker Klassizismus
An Lieselotte Taubengrau (ohne Noten)
Liebe Lotte!
Jetzt, wo Du so weit weg bist, fehlst Du mir, und ich muß immer
an Dich denken. Ich wollte Dir etwas Schönes schenken, habe lange
in allen Ecken gesucht und schließlich ein volksdümliches
Lied ohne Noten entdeckt, das mich an Dich erinnert. Es ist so erfrischend
und süß wie Du, und das, obwohl ich eigentlich kein Obst mag,
sondern viel lieber Gemüse. Aber das weißt Du ja. (Wir können
es ausdiskutieren, wenn Du wieder da bist.)
In schwärmerischer Umnachtung
Dein Huptus
Das Lied von der jungen Pflaume
Hoch baumelt die Pflaume am Pflaumenbaum,
So reif, so rund, so blau.
Von unten am Boden, da sieht man sie kaum,
Ein madenlos prächtiger Pflaumentraum,
So fest, so prall, so blau.
Oh, reifes, saftiges Pflaumenkind,
Sag mir's geschwind!
Ich ruf' dir zu:
Wie schmeckst denn du?
Das knackige Fruchtfleisch am hauchdünnen Stiel,
So schwer, so feucht, so weich.
Zur prachtvollen Reife, da fehlt nicht mehr viel,
Vielleicht ein paar Tage noch bis zum Ziel,
So frisch und süß zugleich.
Oh, reifes, saftiges Pflaumenkind,
Sag mir's geschwind!
Ich ruf' dir zu:
Wann fällst denn du?
Ein Sonett
Die Fülle von Zierat ermüdet die Augen.
So steh' ich da im prunkvollen Gemach
Und schau gebannt den Sonnenstrahlen nach,
Wie Gold und Pomp versuchen, sie zu saugen,
Indes wird nur das Licht des Tages reflektiert.
Wie zwischen Spitzenkissen und Brokat einmal
Ein warmer, lebendiger Sonnenstrahl
Die Rose in kristallgekühlter Vase sanft berührt.
Bald scheinen die Gläser in den Vitrinen
Noch näher aneinanderzurücken.
Gemälde mächtiger Ahngestalten,
Die, waffenstarrend und mit stolzen Mienen,
So streng und herrisch auf mich niederblicken,
Sind, mir zum Glück, von starken Rahmen festgehalten.
Sternenjunge
Ich wollte stets ein Sternenjunge sein
Und kleidete mich in Sterne.
Da sah man schon von ferne klar,
Daß ich ein Sternenjunge war.
Ich wollte gern ein ernster Dichter sein
Und schrieb verschenkte Lieder.
Stets war mein Leben kreativ,
Selbst wenn ich stockbetrunken schlief.
Ich wollte Hahn in allen Körben sein
Und warb um viele Hennen.
Meist bringt ein forscher Pick nach vorn
Dem blinden Hahn so manches Korn.
Ich wollte stets ein Freund der Weisheit sein
Und suchte zwanzig Jahre.
Da wurde mir auf einmal klar,
Daß ich kein Sternenjunge war.
Lasciate ogne speranza, voi ch'entrate.
Es singt kein Vogel weit und breit
In Gärten voller Traurigkeit.
Verwelkte Blüten hängen schlapp
An trock'nen Stielen schwer herab
Und freudlos krächzt ein Rabe.
Bald senkt die Nacht ihr graues Kleid
Auf Sorgenqual und bitt'res Leid.
Im ersten Zwielicht flattern dann
Harpyrien des Traums heran,
Daß uns der Schlaf nicht labe.
Dann wird der Seele schwarzer Reiter,
Der Alp, zum zähen Wegbegleiter,
Und naget hier und bohret dort,
Gönnt keine Ruhe, nimmerfort
Uns liegt, kaum wagen wir's zu sagen,
Der Bohneneintopf schwer im Magen.
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